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Dr. rer. pol. Andreas Schiesser Verzigfachung der Kosten durch Kombination von Krebsmedikamenten

Die Kombination von teuren Krebsmitteln ist das Gebot der Zukunft, soll die Überlebenszeit bei agressiven Tumoren weiter erhöht werden. Wie lassen sich Ethik und Wirtschaftlichkeit unter dem Eindruck einer damit verbundenen, weiteren Kostenzunahme vereinbaren? Monsieur Santé stellt einen möglichen Lösungsansatz vor. In 20min erschien am 27. August 2015 ein Artikel mit dem Titel „Krankenkassen schlagen wegen Krebsmitteln Alarm“. …

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Die Kombination von teuren Krebsmitteln ist das Gebot der Zukunft, soll die Überlebenszeit bei agressiven Tumoren weiter erhöht werden. Wie lassen sich Ethik und Wirtschaftlichkeit unter dem Eindruck einer damit verbundenen, weiteren Kostenzunahme vereinbaren? Monsieur Santé stellt einen möglichen Lösungsansatz vor.

In 20min erschien am 27. August 2015 ein Artikel mit dem Titel „Krankenkassen schlagen wegen Krebsmitteln Alarm“. Der Auslöser ist die in den letzten Jahren begonnene Entwicklung von neuen Krebsmitteln, die zu bestehenden Kombinationen dazu kombiniert werden. Es sind dies zum Beispiel Behandlungen im Bereich von Brustkrebs oder metastasierendem Hautkrebs. Zweifellos wurden grosse Forschritte erzielt und die Patientinnen leben bei aggressiven Brustkrebsarten länger. So wurde die Überlebenszeit von rund einem Jahr mit einer ersten Kombination gegen metastasierenden Brustkrebs für eine besonders agressive Form (HER-2 Expression) um 6 Monate auf fast 19 Monate erhöht. Roche führte im März 2013 für diese Kombination das Medikament Perjeta ein, das zusammen mit der bestehenden Kombination von Herceptin und Doxetaxel weitere 6 Monate längeres Leben verspricht. Die Kosten für die Medikamente der Kombination Herceptin & Doxetaxel beliefen sich im März 2013 auf rund 76’234 Franken bei einer Patientin mit 65 kg Gewicht. Damit die zusätzliche Kombination mit Perjeta etwas günstiger wurde hatte Roche Rückzahlungen auf die verwendeten Packungen von Perjeta in der Höhe von 1600 Fr. pro Packung mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) vereinbart. Die Kosten für eine Gesamttherapie mit Perjeta betrugen im März 2013 Fr. 139’576. Pro Behandlungsmonat sind die Kosten der neuen Kombination rund eineinhalb Mal höher (Fr. 7’544 vs Fr. 4’847). In Bezug auf die gesamte mediane Behandlungsdauer kostete die neue Kombination 2013 insgesamt aber rund das 2.5-fache der Kombination ohne Perjeta.

2014 lief dann das Patent von Herceptin ab. Der Preis wurde dem durchschnittlichen Auslandpreis der Vergleichsländer angepasst und um 24% gesenkt. Roche wollte wegen dem Patentablauf von Herceptin die Rückzahlung bei Perjeta reduzieren. Das Bundesamt für Gesundheit war nicht einverstanden, da es zum Schluss kam, dass die Therapie somit nicht mehr wirtschaflich sei und hat Perjeta von der Liste der durch die Grundversicherung zu bezahlenden Medikamente gelöscht. Die Behandlungen wurden aber trotzdem durch die Krankenversicherungen weiterhin vergütet, da es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, die eine Vergütung zur Folge hat (Abrechnung gemäss KVV Art. 71a). Nun hat das Bundesamt für Gesundheit auf Antrag von Roche entschieden Perjeta wieder per 1. Juli 2015 wieder auf die Spezialitätenliste aufzunehmen – diesmal mit einer Rückzahlung von 737 Franken pro Packung Perjeta. Der Entscheid wurde dank der Teilrevision der Verordnungen nun zum ersten Mal auf der Webseite  des Bundesamtes begründet. Die Kombinationskosten belaufen sich ab Juli 2015 in diesem Beispiel auf 140’275 Franken ein halbes Prozent mehr wie im März 2013, trotz Preissenkung von Herceptin um 24% und den Rückzahlungen von Roche. Die Behandlungskosten der alten Kombination liegen heute bei Fr. 44’537. Die neue Kombination ist also dreimal teurer als die alte Kombination. Der Unterschied hat sich im Vergleich zu 2013 sogar noch erhöht. Man kann sich nun die Frage stellen, wer bei diesem Spiel gewonnen hat – ganz klar die Firma Roche. So nimmt Roche pro Patientin dank der Einführung von Perjeta und der Verlängerung der Behandlung rund 96’000 Franken mehr ein, was einer Multiplikation der Einnahmen um mehr als das Dreifache entspricht. Der Entscheid gefällt hat das Bundesamt für Gesundheit zu Gunsten von Roche. Krankenversicherer haben bei der Preisfestsetzung keine Entscheidungsbefugnis und können im Gegensatz zu Pharmafirmen auch nicht gegen Entscheide rekurieren. Dass Thomas Cueni diese Fakten minimiert in seiner Montagskolumne (Basler Zeitung 27.7.2015 ) über „Hoher Nutzen – vertretbare Kosten“ und nichts von einer Kostensteigerungen hören möchte, liegt im Interesse der Industrie, wofür er Lobbying betreibt.  Fakt ist hier, dass die Kosten für Onkologie Medikamente seit 2010 jedes Jahr ein positives Wachstum aufweisen und von 414 Mio. Franken im 2010 auf 487 Mio. Franken im 2014 gestiegen sind. In Anbetracht der sich abzeichnenden Fortschritte bei den Therapien sowie den heute schon sichtbaren Beispielen ist die Befürchtung einer Kostenexplosion naheliegend.

Weitere Kombinationen bei anderen Krebsarten wurden bereits eingeführt oder stehen bereits im Registrierungsprozess. In Zukunft werden z.B. sogenannte PD1 Rezeptor Antagonisten bei verschiedenen Krebsarten zu den bestehenden Therapien  kombiniert um die Immunantwort zu ermöglichen. Das Bundesamt ist aufgefordert die Regeln der Preisfixierung bei Kombinationstherapien anders umzusetzen. Es wäre sachdienlich in Zukunft nur die gesamten Kosten aller miteinander kombinierten Medikamente zu vergleichen und nicht die Kosten einzelner Medikamente. Die Innovation wird bereits durch eine längere Anwendungsdauer honoriert und sollte auf keinen Fall dazu führen, dass sich die Kosten pro Behandlung verzigfachen.

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