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Jean-Paul Brönnimann Versicherte haben immer noch genügend Zeit ihre Grund- und Zusatzversicherungen zu wechseln

Einige Krankenversicherungs-Experten haben medial behauptet, dass es den Versicherten schade, dass die Krankenversicherer die provisorischen Prämien nicht mehr kommunizieren dürfen. Monsieur Santé nimmt diese Aussage unter die Lupe und beruhigt: Auch mit der Änderung durch das Aufsichtsgesetz haben Versicherte genügend Zeit für einen Wechsel. «Geheimniskrämerei um Krankenkassenprämien» lautet der Titel eines Ende August erschienenen Artikels …

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Einige Krankenversicherungs-Experten haben medial behauptet, dass es den Versicherten schade, dass die Krankenversicherer die provisorischen Prämien nicht mehr kommunizieren dürfen. Monsieur Santé nimmt diese Aussage unter die Lupe und beruhigt: Auch mit der Änderung durch das Aufsichtsgesetz haben Versicherte genügend Zeit für einen Wechsel.

«Geheimniskrämerei um Krankenkassenprämien» lautet der Titel eines Ende August erschienenen Artikels der NZZ am Sonntag. Die Versicherer dürfen aufgrund des KVAG ihre provisorisch berechneten Prämien für das Folgejahr – entgegen den bisherigen Gepflogenheiten – nicht mehr kommunizieren. Dies schadet den Versicherten, behaupten diverse Krankenversicherungs-Experten, weil Ihnen dadurch die Möglichkeit geraubt wird, ihre Grund- und Zusatzversicherungen nicht mehr gleichzeitig zu wechseln.

Neue Spielregeln im KVAG
Das Bundesgesetz betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) verbietet in den Bereichen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) und der freiwilligen Einzeltaggeldversicherung ausdrücklich die Veröffentlichung bzw. die Anwendung der (neuen) Prämientarife vor der Genehmigung durch das Bundesamt für Gesundheit (Art. 16 Abs. 1 KVAG). „Die Bekanntgabe der Krankenkassenprämien erfolgt erst Ende September, allenfalls anfangs Oktober. Zu einem Zeitpunkt also, der die Kündigung der Zusatzversicherungen enorm erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht.“, so ein Experte.

Stimmt diese Aussage? Monsieur Santé geht dieser Frage auf den Grund.

Unterschiedliche Kündigungsfristen bei Grund- und Zusatzversicherung
Monsieur Santé hat sich bereits mehrmals mit den Unterschieden zwischen der Grundversicherung und den Zusatzversicherungen befasst. Die wichtigsten Unterschiede zwischen den genannten Versicherungsmodellen sowie deren Kündigungsfristen lassen sich in den nachfolgenden Beiträgen nachlesen:

Weitere Informationen zum Kassenwechsel finden sich auf der Webseite von santésuisse.

Was sind die wichtigsten Unterschiede, insbesondere bei den Kündigungsfristen?

a) Grundversicherung
Im Grundversicherungsbereich beträgt die Kündigungsfrist bei unveränderter Prämienhöhe und beim Bestehen einer Franchise von CHF 300.00 pro Kalenderjahr drei Monate auf Ende Juni oder Dezember. Die Kündigung auf Jahresmitte bzw.  Jahresende muss spätestens bis zum 31. März bzw. 30. September bei der Krankenkasse eintreffen. Versicherungsvarianten mit einer Wahlfranchise oder mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer (Hausarztmodell, HMO) können nur auf Ende Jahr gekündigt werden. Bei der Mitteilung einer neuen – vom BAG genehmigten – Prämie ist ein Wechsel der Krankenkasse unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist auf Ende des Monats möglich, welcher der Gültigkeit der neuen Prämie vorangeht. Die Krankenkasse muss die neuen Prämien jeder versicherten Person mindestens 2 Monate im Voraus mitteilen und dabei auf das Recht, die Krankenkasse zu wechseln, hinweisen (Art. 7 Abs. 1, 2 KVG).

b) Zusatzversicherung
Anders als in der Grundversicherung sind die Kündigungstermine im Zusatzversicherungsbereich von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. In der Regel wird – analog zur Grundversicherung – unterschieden zwischen einer Kündigung bei unveränderter und bei angekündigter Prämienerhöhung.  Die Kündigunsfristen sind jeweils in den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) geregelt.

  • Kündigung bei Prämienerhöhung: Es gelten die Kündigungsfristen gemäss AVB. Beispielsweise gilt die Frist ab Mitteilung der Prämienerhöhung innerhalb eines Monats oder bis Ende Jahr.
  • Kündigung bei unveränderter Prämienhöhe: Die Mindestdauer des Vertrages beträgt – Ausnahmen vorbehalten –  ein Jahr und die Kündigungsfrist 3 Monate vor Vertragsablauf.  Die Kündigung auf Jahresende muss bis zum 30. September bzw. bis zum letzten Arbeitstag im September bei der Krankenkasse eintreffen. Es gibt Krankenversicherer, die eine längere (Mindest-) Vertragsdauer und längere Kündigungsfristen (beispielsweise 6 Monate) festgesetzt haben.

Monsieur Santés Fazit 
Bei Bekanntgabe der neuen Prämien (mindestens 2 Monate im Voraus) beträgt die Kündigungsfrist 1 Monat. Demnach bleibt den Versicherten bis Ende November grundsätzlich genügend Zeit, um zu reagieren. Der Krankenkassenwechsel ist zudem einfach (siehe «Wechseln ist einfach!». Diese Aussage steht klar im Widerspruch zu den eingangs erwähnten Behauptungen und wird offiziell auch von santésuisse gestützt. Laut BAG verhindert diese Bestimmung des KVAG, dass Versicherte auf möglicherweise falsche Prämieninformationen ihrer bisherigen Kasse kündigen und neue Verträge abschliessen.

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