Monsieur Santé

Navigation anzeigen Startseite anzeigen Suchefeld anzeigen

Christophe Kaempf Die Physiotherapie-Tarifstruktur muss überarbeitet werden

Der Bundesrat hat am 22. März 2017 beschlossen in den Physiotherapietarif einzugreifen. santésuisse bedauert, dass die Tarifparteien sich nicht auf eine gemeinsame Tarifstruktur einigen konnten und der Bundesrat diesen Schritt vornehmen muss. Weil sich die Krankenversicherer und Physiotherapeuten nicht über die Tarifstruktur in der Physiotherapie einigen konnten, hat der Bundesrat am 22. März 2017 beschlossen, …

weiterlesen »

Der Bundesrat hat am 22. März 2017 beschlossen in den Physiotherapietarif einzugreifen. santésuisse bedauert, dass die Tarifparteien sich nicht auf eine gemeinsame Tarifstruktur einigen konnten und der Bundesrat diesen Schritt vornehmen muss.

Weil sich die Krankenversicherer und Physiotherapeuten nicht über die Tarifstruktur in der Physiotherapie einigen konnten, hat der Bundesrat am 22. März 2017 beschlossen, einzugreifen und eine leicht geänderte Tarifstruktur für die Physiotherapie in die Vernehmlassung zu schicken. Diese würde Anfang 2018 in Kraft treten. Zur Erinnerung: Die Tarifstruktur dient als Grundlage zur Abrechnung von ambulanten physiotherapeutischen Leistungen, die in Spitälern und Physiotherapiepraxen in der ganzen Schweiz erbracht werden. santésuisse bedauert, dass die Krankenversicherer und Physiotherapeuten keine Lösung gefunden haben, und der Bundesrat nun von seiner Subsidiärkompetenz Gebrauch machen und eingreifen muss.

Mit der Kündigung des gesamtschweizerischen Vertrags mit dem Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer (KSK, heute santésuisse) durch physioswiss (Nachfolgeorganisation des Schweizerischen Physiotherapeutenverbands) vor einigen Jahren wurde die einheitliche Tarifstruktur für Physiotherapieleistungen hinfällig und die Tarifpartner im Bereich Physiotherapie versuchen sich seither auf eine neue Tarifstruktur zu einigen. Bisher ohne Erfolg.

Die Verhandlungen zwischen santésuisse und physioswiss konnten bisher nicht abgeschlossen werden, weil die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ein auf der Tarifstruktur basierendes, garantiertes Mindesteinkommen fordern. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) ist aber ein Sozialversicherungsgesetz und sieht als solches kein garantiertes Einkommen für Leistungserbringer vor.

Es ist santésuisse ausserdem wichtig, dass die neue Tarifstruktur nicht erhebliche Mehrkosten zulasten der Grundversicherung und damit der Prämienzahler verursacht. So sind die Kosten für physiotherapeutische Leistungen zwischen 2011 und 2015 um über 40% auf aktuell eine Milliarde Franken gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Gesamtkosten zulasten der Krankenversicherung mit rund 20% weniger rasch. Es ist zudem eine starke Zunahme der Anzahl Praxen zu beobachten. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftssektoren treibt im Gesundheitsbereich das Angebot die Nachfrage nach oben und nicht umgekehrt. Mit der steigenden Zahl der Physiotherapiepraxen ging seit 2011 eine Zunahme der Physiotherapiesitzungen um 46% einher.

Vom Bundesrat festgelegte provisorische Tarifstruktur

Um einen tarifstrukturlosen Zustand zu verhindern, hat der Bundesrat im November 2016 interveniert und den bestehenden Tarifvertrag bis Ende 2017 verlängert.

Um auch für das Jahr 2018 eine Lösung zu finden, hat der Bundesrat am 22. März 2017 das Eidgenössische Departement des Innern damit beauftragt, bei den interessierten Kreisen (Kantone, politische Parteien, Dachverbände usw.) ein Vernehmlassungsverfahren durchzuführen.

Mit dem im Gesetz bestimmten Grundsatz der tarifären Eigenständigkeit müsste es eigentlich nie so weit kommen, dass der Bundesrat eine völlig neue Tarifstruktur festzulegen hat. Die zu beratende Tarifstruktur ist ja auch nicht von Grund auf neu. Es werden aber einige Änderungen vorgeschlagen, beispielsweise neue Fakturierungsregeln, eine Reduktion der Tarifpositionen und eine Festlegung der Physiotherapie-Sitzungsdauer. Gemäss Bundesrat sollen diese Massnahmen negative Anreize mindern und zu mehr Transparenz beitragen.

Bei dem Vorschlag für 2018 handelt es sich um eine provisorische Lösung bis die Tarifpartner sich auf eine neue Tarifstruktur einigen und dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegen. Sie ist unbefristet.

Monsieur Santé ist
Christophe Kaempf