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Daniel Habegger Neue Prämienregionen: Zufallsgenerator wäre gerechter gewesen

Münzen werfen wäre treffsicherer, als die vom Eidgenössischen Departement des Inneren (EDI) vorgeschlagene Neueinteilung der Prämienregionen. Nachdem bereits Berechnungen von santésuisse und Kantonen wie Bern, Luzern, Baselland und Zürich die sachliche Korrektheit der Vorschläge bezweifelten, belegt nun eine versicherungsmathematische Analyse das Verdikt: Der Vorschlag des EDI ist unbrauchbar. Die versicherungsmathematische Abteilung eines renommierten Krankenversicherers hat sich …

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Münzen werfen wäre treffsicherer, als die vom Eidgenössischen Departement des Inneren (EDI) vorgeschlagene Neueinteilung der Prämienregionen. Nachdem bereits Berechnungen von santésuisse und Kantonen wie Bern, Luzern, Baselland und Zürich die sachliche Korrektheit der Vorschläge bezweifelten, belegt nun eine versicherungsmathematische Analyse das Verdikt: Der Vorschlag des EDI ist unbrauchbar.

Die versicherungsmathematische Abteilung eines renommierten Krankenversicherers hat sich die Mühe gemacht, auf der Basis der Kostendaten der vergangenen fünf Jahre auf Gemeindeebene den neuen Vorschlag des EDI für die Prämienregionen zu überprüfen. Dabei kam heraus, was santésuisse und etliche Kantone bereits aufgrund eigener Berechnungen schlussfolgerten: Der Vorschlag aus Bundesbern ist kein Beitrag für mehr Kostengerechtigkeit. Das Gegenteil ist der Fall: Die heutigen Verhältnisse würden massiv «verschlimmbessert» statt optimiert.

Ganze Regionen falsch eingeteilt

Im Kanton Bern zum Beispiel haben die Bundesstellen ganze Regionen im Emmental (66%), im Oberaargau (64%) und im Jura (56%) falsch eingeteilt. Dort müsste die Bevölkerung im Vergleich zu einer kostengerechten Einteilung künftig um durchschnittlich 9% zu hohe Prämien bezahlen. Die Zuordnung einer Gruppe von ländlichen Gemeinden auf Basis der neu vorgeschlagenen Bezirksebene erfolgte übrigens deutlich weniger kostengerecht, als wenn zur Einteilung jeweils eine Münze aufgeworfen worden wären. Fazit: Jeder Zufallsgenerator hätte bessere Resultate erzielt.

Zu tiefe Rabatte

Durch die geforderte neue Einteilung der Prämienregionen auf Bezirksebene würden ausserdem die sehr unterschiedlich hohen Gesundheitskosten der Gemeinden nivelliert. In kleinen Gemeinden mit tiefen Durchschnittskosten pro Kopf der Bevölkerung kämen so die Unterschiede gegenüber grossen Gemeinden mit hohen Kosten kaum oder gar nicht mehr zum Ausdruck.

Gesetzgeber für dumm verkauft?

Das Gesetz verlangt, dass Prämienabstufungen innerhalb des Kantons aufgrund der Kostenunterschiede zu erfolgen haben. Genau diesen Kostenunterschieden hat die Vorlage mit fragwürdigen Vorgaben und willkürlichen Annahmen, was künftig eine Prämienregion ausmachen soll, nicht Rechnung getragen. Die kostengünstigen ländlicheren Gemeinden würden nach den Vorschlägen des EDI  also massiv benachteiligt. Was wiederum – mindestens de facto – gegen den Willen des Gesetzgebers ist: Während der Debatte zum Krankenversicherungsaufsichtsgesetz hat der Nationalrat nämlich einen Antrag der Linken, die Rabatte zwischen den Prämienregionen auf insgesamt 20 Prozent zu begrenzen, mit 128:58 Stimmen klar verworfen.

 

Monsieur Santé ist
Daniel Habegger

Ich bin bei santésuisse im Bereich Public Affairs tätig.

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