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Jean-Paul Brönnimann Gesundheits-Checks: Sinn oder Unsinn? – 1. Teil

Gesundheits-Checks (auch Check-ups oder Vorsorgeuntersuchungen genannt) sind eigentlich Untersuchungen an gesunden Menschen und à priori nicht kassenpflichtig. Dennoch, welchen Anteil haben sie an den stetig steigenden Gesundheitskosten? Welche sind sinnvoll und welche nicht? Antworten aus vertrauensärztlicher Sicht auf diese und weitere Fragen liefert dieser Beitrag.  In einem früheren Beitrag hat sich Monsieur Santé mit der Frage: «Warum werden Check-ups …

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Gesundheits-Checks (auch Check-ups oder Vorsorgeuntersuchungen genannt) sind eigentlich Untersuchungen an gesunden Menschen und à priori nicht kassenpflichtig. Dennoch, welchen Anteil haben sie an den stetig steigenden Gesundheitskosten? Welche sind sinnvoll und welche nicht? Antworten aus vertrauensärztlicher Sicht auf diese und weitere Fragen liefert dieser Beitrag. 

In einem früheren Beitrag hat sich Monsieur Santé mit der Frage: «Warum werden Check-ups nicht bezahlt?» auseinandergesetzt. In diesem Blog-Beitrag befasst er sich weniger mit krankenversicherungstechnischen Fragen, sondern legt den Schwerpunkt auf die Frage nach dem Sinn und Zweck von Gesundheits-Checks. Die nachfolgenden Fragen und Antworten basieren auf Fragen einer Wochenzeitung. Monsieur Santé hat sie zusammengefasst:

Wie hoch ist der Anteil von Gesundheits-Checks an den stetig steigenden Gesundheitskosten?
Da Gesundheits-Checks – mit ein paar wenigen Aussnahmen – keine kassenpflichtigen Leistungen darstellen, werden sie statistisch nicht gesondert erfasst. Zudem erschweren Abgrenzungsfragen eine Gesamtübersicht. Schon eine Blutdruckmessung bei einem Patienten mit einer Schnittverletzung ist eine vorsorgliche Massnahme, die nie spezifisch in Rechnung gestellt wird.

Welche Gesundheits-Checks sind sinnvoll? Bei wem und in welchem Alter oder in welcher Situation?
Sinnvoll sind grundsätzlich jene Gesundheitschecks die in die Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) aufgenommen werden und im Rahmen der Grundversicherung von den Krankenversicherern gemäss Art. 12e KLV vergütet werden (diverse Screnning-Untersuchungen bei Neugeborenen, gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen inklusive Krebsabstrich, die Screening-Mammografie ab dem 51. Lebensjahr sowie die Früherkennung des Kolonkarzinoms). Bei der Screening-Mammografie scheiden sich jedoch die Geister. Unter den Fachleuten bestehen Unterschiede in der Beurteilung dieser Untersuchung. Zitat von Dr. med. Reto Guetg, Vertrauensarzt, santésuisse:

«Viel sinnvoller als Checks ist ein gesundheitsförderliches Leben, d.h. sich vernünftig und regelmässig bewegen, nicht rauchen, ausgewogen essen und trinken, Übergewicht und übermässigen Stress vermeiden.»

Bei welchen Checks kann man sich über deren Sinn oder Unsinn streiten und weshalb
Wie bereits eingangs erwähnt, sind Gesundheits-Checks Untersuchungen, die an gesunden Menschen (ohne Symptome) durchgeführt werden. Deren Nutzen sollte somit den möglichen Schaden deutlich übersteigen. Beispiele für Checks, deren Nutzen nicht zwingend überwiegt sind:

  • Messung des PSA-Werts (Prostata-spezifisches Antigen bzw. PSA-Test) bei jungen Männern
  • Cholesterinbestimmung bei jungen Leuten
  • Belastungs-EKG
  • Augendruckbestimmungen
  • Lungenröntgen
  • Knochendichtebestimmungen

Beispiel: Ein präventives Belastungs-EKG kann Hinweise auf eine Erkrankung der Herzkranzgefässe geben. Was nun? Abwarten und schauen, ob es wirklich zu einer Erkrankung kommt? Der Betroffene fühlt sich unsicher. Er weiss nicht, ob seine Herzkranzgefässe gesund sind, oder nicht. Für eine weitere Beurteilung benötigt der Arzt ein Koronarogramm ( Röntgenbild der Herzkranzgefässe). Dies ist ein invasiver (körperverletzender) Eingriff, der nicht immer ohne Komplikationen abläuft, auch dann nicht, wenn sich damit eine Erkrankung der Herzkranzgefässe mit hoher Warscheinlichkeit ausschliessen lässt. Bei den anderen Beispielen ist schlicht zu wenig zuverlässige wissenschaftliche Literatur vorhanden, die eine Empfehlung zulassen.

Welche Checks sind mehr oder weniger überflüssig und warum?
Alle medizinischen Untersuchungen an sich gesund fühlenden Menschen tragen das Risiko, dass Laborwerte oder Bildgebungen zu einer Krankheitsdiagnose führen, obwohl dies nicht stimmt. Teilweise ergeben sich auch sogenannte  «falsch positive» Testergebnisse mit möglicherweise schlimmen Folgen. Andererseits können sich Untersuchte mit «falsch negativen» Testergebnissen in falscher Sicherheit wiegen, in der Meinung sie seien «gesund». Bis zum Erkennen des Irrtums kann viel wertvolle Zeit vergehen, sollte schliesslich doch eine schwere Erkrankung zutage treten. Moderne Methoden, wie Luftröhren- und Darmspiegelungen, wiederholte Strahlenexposition (Röntgen, Computertomographie), invasive Untersuchungen wie Angiographie und andere Röntgenkontrastuntersuchungen sind für den Patienten mitunter belastend und können Schäden anrichten. Für alle Check-ups gilt: Alles technisch Machbare einzusetzen ist nicht möglich, nicht rationell und nicht finanzierbar.

Im zweite Teil dieses Blog-Beitrages zum Thema «Gesundheits-Checks» befasst sich Monsieur Santé mit den Fragen:

  • Wann ist man zu jung bzw. zu alt für Gesundheits-Checks?
  • Welches sind die erfolgreichsten Checks?
  • Welche Menschen unterziehen sich Gesundheits-Checks?
Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen.
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