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Paul Rhyn Revision des Ärztetarifs TARMED: Es drohen 10 Prozent höhere Prämien

Die Vergütung der ambulant erbrachten medizinischen Leistungen in den Arztpraxen und Spitälern soll überarbeitet werden. Soweit sind sich Ärzte, Spitäler und Krankenversicherer einig. santésuisse lehnt den von der Ärztevereinigung FMH und dem Spitalverband H+ ausgearbeiteten Vorschlag ab, weil jährliche Mehrkosten von über drei Milliarden Franken drohen. Nach zwölf Jahren Tarifanwendung sind die Gesamtkosten des ambulanten …

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Die Vergütung der ambulant erbrachten medizinischen Leistungen in den Arztpraxen und Spitälern soll überarbeitet werden. Soweit sind sich Ärzte, Spitäler und Krankenversicherer einig. santésuisse lehnt den von der Ärztevereinigung FMH und dem Spitalverband H+ ausgearbeiteten Vorschlag ab, weil jährliche Mehrkosten von über drei Milliarden Franken drohen.

Nach zwölf Jahren Tarifanwendung sind die Gesamtkosten des ambulanten Ärztestarifs TARMED in den Arztpraxen und Spitälern bis heute um total fast vier Milliarden Franken pro Jahr angestiegen, die von den Prämienzahlerinnen und –zahlern gedeckt werden müssen.

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Abb. 1 Arztkosten seit Einführung TARMED (Kosten pro Person pro Jahr)

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Abb. 2: Ambulante Spitalkosten seit Einführung TARMED (Kosten pro Person pro Jahr)

Vorschlag der Ärzte und Spitäler bringt Mehrkosten von über drei Milliarden Franken
santésuisse hat den Arzttarif analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass dieser zu unkontrollierbaren Kostensteigerungen führt. Die neue Struktur löst wegen der zahlreichen nicht limitierten Zeitleistungen ein enormes Mengen- und Kostenpotenzial aus.

Aufgrund der bekannten Angaben zur neuen Tarifstruktur muss mit jährlichen Mehrkosten von drei bis 4 Milliarden Franken gerechnet werden. Dieser Kostenanstieg würde für die Prämienzahlerinnen und –zahler eine bleibend um 10 Prozent höhere Prämie bedeuten.

Totalrevision nur ohne Mehrkosten für Prämienzahlerinnen und -zahler
Der Bundesrat hat unmissverständlich signalisiert, dass eine Tarifrevision ohne Mehrkosten, das heisst kostenneutral und im weiteren Verlauf ohne Mehrbelastung für die Prämienzahlerinnen und -zahler umgesetzt werden muss. Für santésuisse ist die Einhaltung der Vorgaben des Bundesrates unabdingbar für eine TARMED-Totalrevision. Sie entsprechen den Interessen der Versicherten. Als weitere Anforderungen sind die realen Kostendaten seitens der Leistungserbringer offenzulegen und – entsprechend den Forderungen der Eidgenössischen Finanzkommission – Qualitätskriterien zu berücksichtigen und vermehrt Pauschalierungen vorzusehen.

Sofortige Kurskorrektur nötig
santésuisse fordert eine sofortige Kurskorrektur mit dem Ziel, einen innovativen und zukunftsgerichteten Arzttarif zu erarbeiten. Wegweisend sind qualitätsbezogene Leistungspakete bzw. Pauschalen, die mit einzelnen medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet und getestet werden. Mit einem qualitätsbezogenen Arzttarif kann auch die Behandlungsqualität und – effizienz verbessert werden. Wichtigen Forderungen der Schweizer Gesundheitspolitik würde dadurch Rechnung getragen.

Der Bundesrat soll nicht eingreifen müssen
Bei einem Scheitern der Revision kann der Bundesrat eingreifen und eine Tarifstruktur verordnen. Diesen Eingriff gilt es zu verhindern, denn Ärzte und Krankenversicherer sind sich einig, dass das Verhandeln eigenständiger Tarife ein  wesentliches Merkmal unseres freiheitlichen Gesundheitswesens ist.

Monsieur Santé ist
Paul Rhyn

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit dem Gesundheitswesen. Als Leiter Publizistik bei santésuisse versuche ich die vielen Facetten unseres Gesundheitswesens und der Krankenversicherung in die Bevölkerung zu tragen.