Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Versicherte wollen Qualitätstransparenz

Angenommen ein chirurgischer Eingriff zur Behebung einer Augenkrankheit steht Dir bevor. Obwohl Dein Augenarzt Dir ein geeignetes Augenzentrum empfohlen hat, bist Du noch unschlüssig. Zum Glück kannst Du Dich über ein Vergleichsportal nach der bestmöglichen Versorgung erkundigen. Tatsächlich? Dank des Spitalfinders von santésuisse und des Konsumentenforums kannst Du Dir die Informationen beschaffen, welche über die Behandlungsqualität und die Patientenzufriedenheit …

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Angenommen ein chirurgischer Eingriff zur Behebung einer Augenkrankheit steht Dir bevor. Obwohl Dein Augenarzt Dir ein geeignetes Augenzentrum empfohlen hat, bist Du noch unschlüssig. Zum Glück kannst Du Dich über ein Vergleichsportal nach der bestmöglichen Versorgung erkundigen. Tatsächlich?

Dank des Spitalfinders von santésuisse und des Konsumentenforums kannst Du Dir die Informationen beschaffen, welche über die Behandlungsqualität und die Patientenzufriedenheit in Akutspitälern Auskunft geben. Wo finde ich den Anbieter von medizinischen Leistungen, von dem ich die beste Versorgung erwarten kann? Der Spitalfinder liefert Dir diese Informationen, jedoch vorläufigen nur für stationäre Eingriffe. Ist ein ambulanten Eingriff geplant, fehlt es noch an entsprechenden Vergleichsportalen. Mit der fehlenden Transparenz steigt leider auch das Risiko eines fehlerhaften Eingriffes und der damit verbundenen notwendigen (vermeidbaren) Re-Operation.

Effizienz dank Qualitätswettbewerb
Vergleichsportale schliessen Informationslücken, die Du als angehender Patient benötigst, um aus der Vielzahl an medizinischen Anbietern den effizientesten zu wählen. Vergleichsportale schaffen Qualitätstransparenz, indem sie Qualitätsdaten zur Patientenzufriedenheit und anderen Qualitätsindikatoren liefern. Dies führt zum erwünschten Qualitätswettbewerb unter den Anbietern. Konkurrenz verbessert jedoch nicht nur die Behandlungsqualität, sondern trägt gleichzeitig zur Stabilisierung der Gesundheitsausgaben bei, indem medizinische Folgekosten für kassenpflichtige Nachbehandlungen vermieden werden, die aufgrund von mangelhafter Versorgungsqualität entstanden sind. Leistungserbringer mit ungenügender Qualität werden bisher nicht nur gleich abgegolten wie Leistungserbringer mit guter Qualität, sondern sie verfügen auch über die gleichen Marktchancen. Das muss sich ändern. Darum…

… fordern Patienten und Krankenversicherer Qualitätstransparenz 
Die Qualitätstransparenz ist eine Kernvoraussetzung für einen echten Qualitätswettbewerb. Transparente, aussagekräftige und vergleichende Informationen über die Qualität von Leistungen ermöglichen Dir eine echte Wahlfreiheit sowohl beim Spital als auch beim Arzt. Leider ist das Schweizer Gesundheitswesen noch weit davon  entfernt  und damit auch vom Qualitätswettbewerb. Erste Schritte im Hinblick auf mehr Transparenz sind zwar getan, indem dass der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ)  im stationären Bereich bereits Qualitätsmessungen vornimmt. Im ambulanten Bereich ist Qualitätstransparenz jedoch noch wenig verbreitet und zusätzliche Anstrengungen der Tarifpartner bitter nötig um die Transparenz zu steigern.

… und die Lockerung des Vertragszwangs
Die Krankenversicherer müssen grundsätzlich mit jedem zugelassenen Leistungserbringer Tarifverträge abschliessen (Vertragszwang). Es ist ihnen nicht erlaubt, gestützt auf Qualität und Effizienz der Leistungserbringung eine Auswahl zu treffen. Alle in Art. 35 KVG genannten Leistungserbringer dürfen somit – sofern sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen – unbegrenzt zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abrechnen. Ausser bei den besonderen Versicherungsformen mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer (Hausarzt oder HMO-Modelle) bleiben den Krankenversicherern keine Möglichkeiten, ihre Leistungen von der Qualität der Leistungserbringung abhängig zu machen. Erst eine Anbindung der Behandlungsqualität an die Vergütung der Leistung würde dies ändern und die Leistungserbringer anspornen, sich durch vermehrte Qualität von der Konkurrenz abzuheben. Neben der Qualitätstransparenz ist somit die Lockerung des Vertragszwanges ein weiteres Element, um einen funktionierenden Qualitätswettbewerb unter den Leistungserbringern durchzusetzen. Tarifpartner, Leistungserbringer und Krankenversicherer arbeiten daran.

Qualitätsvorlage des Bundesrates
Dass die Qualität der medizinischen Leistungen verbessert, die Patientensicherheit erhöht und die Kostensteigerung in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gedämpft werden muss, hat auch der Bundesrat schon lange erkannt. Zu diesem Zweck hat er eine Qualitätsvorlage («Stärkung von Qualität und Wirtschaftlichkeit») erarbeitet, die jedoch auf der Finanzierung der Kosten durch die Prämienzahler beruht. Die entsprechende Botschaft zuhanden des Parlaments wurde im Dezember 2015 verabschiedet. Der Entscheid über die Vorlage wurde vorerst auf Beschluss vom 3. Februar 2016 der ständerätlichen Gesundheitskommission aufgeschoben. santésuisse begrüsst diesen Entscheid aus zwei Gründen: die erwähnten Parteien, die bereits Qualitätsanstrengungen unternehmen, sollen einbezogen und das Finanzierungssystem nochmals überdacht werden.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen.
Man findet mich auch bei Facebook und Twitter.