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Dr. rer. pol. Andreas Schiesser Umsatz rezeptfreier Medikamente in der Grundversicherung im Jahr 2014

Rezeptfreie Medikamente stellen zwar nur einen kleinen Teil der Medikamentenausgaben in der obligatorischen Krankenversicherung dar. Dennoch tragen sie zur Kostenzunahme im Gesundheitswesen bei. Monsieur Santé zeigt Ihnen, wie Sie dazu beitragen können, die Kosten zu dämpfen. Insgesamt wurden im Jahr 2014 für rezeptfreie Medikamente 324 Mio Fr. ausgegeben. Verglichen mit dem Vorjahr nahmen die Ausgaben um 3.5% …

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Rezeptfreie Medikamente stellen zwar nur einen kleinen Teil der Medikamentenausgaben in der obligatorischen Krankenversicherung dar. Dennoch tragen sie zur Kostenzunahme im Gesundheitswesen bei. Monsieur Santé zeigt Ihnen, wie Sie dazu beitragen können, die Kosten zu dämpfen.

Insgesamt wurden im Jahr 2014 für rezeptfreie Medikamente 324 Mio Fr. ausgegeben. Verglichen mit dem Vorjahr nahmen die Ausgaben um 3.5% zu. Die Ausgaben pro Versicherten liegen bei rund Fr. 40. Die Zunahme pro Versicherten betrug 2.2% verglichen mit 2013.

Tabelle 1: Ausgaben rezeptfreier Medikamente nach therapeutischer Gruppe

Therapeutische Gruppe Umsatz OKP 2013 in Mio SFr. Umsatz OKP 2014 in Mio SFr.
Alimentäres System 126 128
Dermatologische Mittel 42 46
Respirationstrakt 34 32
Muskel und Skelettsystem 28 31
Urogenital System 21 22
Kardiovaskuläres System 21 22
Sinnesorgane 15 15
Nervensystem 16 15
Blutsystem 11 13
Antiparasitäre Mittel 0 0
Varia 0 0
Total 313 324

Quelle: sasis Tarifpool Medikamente Liste C und D

Betrachtet man die therapeutischen Gruppen so sehen wir, dass die rezeptfreien Medikamente vor allem in den Bereichen der Nahrungsergänzungsmittel für das alimentäre System (39%) wie auch für Anwendungen auf der Haut (dermatologische Produkte, 14%) anzutreffen sind. Die dritt häufigste Anwendung mit rund 10% ist die Anwendung für den Respirationstrakt.

Tabelle 3: Ausgaben für rezeptfreie Medikamente in der OKP 2013 und 2014 in Mio. Franken

Rang Umsatz 2014 Brand 2013 Umsatz Total 2014 Umsatz Total +/-
1 Calcimagon 42.1 39.8 -5.5%
2 Cimifemin 11.1 12.2 9.4%
3 Flectoparin 9.3 10.9 16.8%
4 Creon 9.3 9.0 -3.1%
5 antidry 7.2 8.3 14.7%
6 Transipeg 8.5 8.1 -5.1%
7 Motilium 6.9 6.7 -3.5%
8 Vi-De 4.6 5.9 27.4%
9 Excipial 5.4 5.5 2.1%
10 Calcium 5.7 5.3 -6.2%
11 Pruri-med 4.7 5.2 11.5%
12 Iberogast 4.3 4.9 13.5%
13 Maltofer 3.7 4.3 15.7%
14 Imodium 4.0 4.1 2.0%
15 Daflon 3.5 3.9 10.5%
16 Der-Med 3.7 3.9 5.9%
17 Padmed 3.7 3.8 3.5%
18 Lyman 3.2 3.8 19.9%
19 Spasmo-Canulase 3.5 3.6 3.6%
20 Relaxane 3.0 3.6 20.9%
21 Lacdigest 2.8 3.2 17.1%
22 Metamucil 2.9 3.1 7.2%
23 Rheumon 2.8 3.1 7.7%
24 Calperos 3.0 2.9 -4.8%
25 Solmucalm 3.1 2.9 -8.5%
Total erste 25 162.2 168.0 3.6%
Total Liste C & D 313.3 324.3 3.5%

Quelle: sasis Tarifpool Medikamente Liste C und D

 

Auf der Hitliste gibt es mit Calcimagon D3 einen klaren Leader mit rund 40 Mio Franken Umsatz in der Grundversicherung. Calcimagon D3 ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Kalzium und Vitamin D3 werden empfohlen zur Verstärkung der Knochen als Prävention von Knochenbrüchen. Es wird im Rahmen der Behandlung von Knochenschwund (Osteoporose) zusammen mit den entsprechenden Biphosphonaten oder Denosumab eingesetzt. Erstaunlich ist, dass Paracetamol als häufig verwendeter Wirkstoff gegen Schmerzen und Fieber auf dieser Liste nicht erscheint. Die Erklärung ist, dass nur ein kleiner Teil der Medikamentenpackungen in der Listenkategorie C klassiert wurde. Der grösste Teil befindet sich in der Kategorie B und ist rezeptpflichtig. Die Liste widerspiegelt „nur“ die Ausgaben in der Grundversicherung. Die Konsumenten kaufen darüber hinaus viele Medikamente und bezahlen diese direkt selber in Eigenverantwortung ohne die Grundversicherung zu belasten.

Damit die Medikamente von der Grundversicherung übernommen werden können, muss die Pharmafirma deren Aufnahme auf die Spezialitätenliste beantragen. Die Kriterien der Aufnahme sind die Wirksamkeit, die Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit, die vom gesetzlichen Rahmen vorgegeben werden. Die Erfüllung der Kriterien sollte regelmässig, d.h. alle drei Jahre überprüft werden. Die Überprüfung wird durch das Bundesamt für Gesundheit vorgenommen. In den letzten drei Jahren wurde lediglich die Wirtschaftlichkeit anhand des Auslandpreisvergleiches überprüft. Im Jahr 2015 findet in Folge der Revision der Verordnungen keine Überprüfung der Wirtschaftlichkeit statt. Erst 2016 werden die Überprüfungen mit geänderten Regeln fortgesetzt.

Bei den meisten rezeptfreien Präparaten besteht kein Patentschutz mehr. Die Frage stellt sich wie in diesen Fällen der Preisvergleich durchgeführt wurde. Calcimagon D3 zum Beispiel ist nicht mehr patentgeschützt. Die Wirksubstanzen Calcium und Vitamin D3 können in vielen Ländern günstiger erworben werden. Auch in der Schweiz gibt es günstigere Präparate wie z.B. Calcium D3 von Sandoz oder von Mepha. Fragen Sie also jeweils Ihren Arzt und Apotheker auch zur Wirtschaftlichkeit und verlangen Sie das günstigste Präparat unabhängig davon ob Sie es selber bezahlen oder ob es über die Krankenkasse abgerechnet wird. Alle in der Schweiz in Apotheken und Drogerien vertriebenen Medikamente wurden von Swissmedic geprüft und haben deshalb eine hohe Qualität. Mit der Nachfrage nach günstigeren Alternativen können Sie zur Kostendämpfung beitragen. Entsprechende Preisvergleiche können Sie auch selber durchführen auf ODDB oder myMedi. Klicken Sie dazu auf die entsprechenden Link.

Monsieur Santé ist
Dr. rer. pol. Andreas Schiesser

Sammler, Jäger und Gärtner im Gesundheitswesen seit  29 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen. Projektleiter Medikamente bei santésuisse im Bereich der Grundlagen und Tarifstrukturen. Familienvater, Jogger.

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