Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Wann kann ich problemlos Medikamente im Ausland kaufen?

Dass rezeptpflichtige Medikamente in den Nachbarländern – trotz Preisanpassungen – günstiger sind als in der Schweiz hat sich schon längst herumgesprochen. Die Krux an der Sache ist, dass die Rückerstattung durch die Krankenkassen gegen das Gesetz verstösst. Dennoch vergüten die meisten Krankenversicherer die im Ausland gekauften Medikamente. Streng nach Gesetz (Art. 36 KVV) dürfen Krankenversicherer Medikamente aus dem Ausland nur im Notfall erstatten. …

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Dass rezeptpflichtige Medikamente in den Nachbarländern – trotz Preisanpassungen – günstiger sind als in der Schweiz hat sich schon längst herumgesprochen. Die Krux an der Sache ist, dass die Rückerstattung durch die Krankenkassen gegen das Gesetz verstösst. Dennoch vergüten die meisten Krankenversicherer die im Ausland gekauften Medikamente.

Streng nach Gesetz (Art. 36 KVV) dürfen Krankenversicherer Medikamente aus dem Ausland nur im Notfall erstatten. Wenn sich eine versicherte Person ins Ausland begibt, mit der Absicht dort rezeptpflichtige Medikamente einzukaufen, entspricht dies nicht einer Notfallsituation. In diesem Fall ist eine Erstattung der Medikamentenkosten im Rahmen der Grundversicherung durch den Krankenversicherer nicht gesetzeskonform (Ausnahmen im Rahmen des Koordinationsrechts mit der EU vorbehalten).

Viele Krankenkassen vergüten die Kosten
Wie eine Umfrage einer grossen Tageszeitung unlängst ergab, vergüten grössere Krankenversicherer im Ausland gekaufte Medikamente, die in der Schweiz deutlich teurer sind. Allerdings nur dann, wenn ein Rezept eines in der Schweiz zugelassenen Arztes sowie die Originalquittung vorliegt und es sich um ein Medikament handelt, das in der Schweiz registriert und zugelassen ist. Diese Praxis ist nicht neu. Bereits vor Jahren hat santésuisse – trotz umstrittener Rechtslage – seinen Mitgliedern empfohlen, angesichts der damals im Ausland erheblich tieferen Preisen, die Kosten unter gewissen Voraussetzungen zu übernehmen. Ein Kriterium, das neben den bereits erwähnten erfüllt sein musste, war das Vorhandensein eines Beipackzettels in mindestens einer Landesprache. Je nach Einzelfall wurden die Kosten übernommen. Einzelne Versicherer vergüteten die Kosten nur dann, wenn die versicherte Person ihren Wohnsitz im Grenzgebiet hatte und andere hielten sich strikte an die gesetzlichen Vorgaben und erstatteten die Kosten nur im Notfall.

santésuisse fordert die Aufhebung des Territorialitätsprinzips als Kostensenkungsmassnahme
Das sogenannte «Territorialitätsprinzip» besagt, dass grundsätzlich nur jene Leistungen übernommen werden dürfen, die in der Schweiz erbracht werden. Ausnahmen bilden – wie bereits erwähnt – Notfallbehandlungen sowie jene Leistungen, die in der Schweiz nicht zur Verfügung gestellt werden können. Diese kostentreibende Eigenschaft des Territorialitätsprinzips steht in jüngerer Zeit immer stärker im Kreuzfeuer der Kritik. Gemäss santésuisse ist die strenge Auslegung des Territorialitätsprinzips beim Medikamentenbezug längstens überholt und deshalb aufzuheben. Besonders bei der heutigen Mobilität mit Einkäufen in den Nachbarländern und den Ferien im Ausland hat es seinen Sinn weitgehend verloren. Medikamente sind zu globalen Markenprodukten geworden, die auch von schweizerischen Pharmafirmen weltweit und mit ebenbürtiger Qualität angeboten werden. In diesem Zusammenhang begrüsst santésuisse die Bereitschaft des BAG mit den Krankenversicherern das Gespräch zu suchen, damit das faktisch bereits praktizierte Verhalten von Teilen der Versicherten und Krankenversicherern auf eine rechtlich korrekte Basis gestellt wird.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen.
Man findet mich auch bei Facebook und Twitter.