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Dr. rer. pol. Andreas Schiesser Die Ausgaben für die Hepatitis-C-Behandlung explodieren

Hepatitis C ist eine Viruserkrankung. Schätzungsweise 80‘000 Personen in der Schweiz sind infiziert. Die Übertragung des Virus erfolgt durch einen Blutkontakt – sei es eine Bluttransfusion, intravenöser Drogenkonsum oder eine risikobehaftete sexuelle Praktik. Bei rund 75% der Infizierten kommt es zu einer chronischen Erkrankung. Nach einer symptomfreien Phase kann sich die Krankheit über Jahrzehnte entwickeln …

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Hepatitis CHepatitis C ist eine Viruserkrankung. Schätzungsweise 80‘000 Personen in der Schweiz sind infiziert. Die Übertragung des Virus erfolgt durch einen Blutkontakt – sei es eine Bluttransfusion, intravenöser Drogenkonsum oder eine risikobehaftete sexuelle Praktik.

Bei rund 75% der Infizierten kommt es zu einer chronischen Erkrankung. Nach einer symptomfreien Phase kann sich die Krankheit über Jahrzehnte entwickeln und in schlimmen Fällen zu einer Leberzirrhose (4% – 24%) oder Leberkrebs (4%) führen.

Die bisherige Standardbehandlung wurde mit pegylierten Interferonen in Kombination mit einer antiviralen Substanz durchgeführt. Im August 2014 kam mit Sovaldi von der Firma Gilead das erste neue orale Hepatitis-C-Medikament auf den Markt, das hohe Ansprechsraten und wenig Nebenwirkungen hat. Im Februar 2015 folgten Exviera, Viekierax von Abbvie und Harvoni von Gilead.

Mit diesen neuen Medikamenten wird die Behandlung verbessert. Sie haben in klinischen Studien gezeigt, dass dank ihrer hohen Ansprechsrate viele Patienten geheilt werden können. In den klinischen Studien waren es über 90%. Ob bei Behandlungen ausserhalb einer klinischen Studie auch so hohe Ansprechsraten erreicht werden ist fraglich, da die Therapietreue eine vernachlässigte Problematik ist und es in der Regel gemäss der WHO nur jedem zweiten Patienten gelingt den mit dem Arzt abgemachten Therapieplan vollständig umzusetzen.

Die neuen Behandlungen führen nun zu höheren Ausgaben für die Behandlung von Hepatitis C. Es werden nun mehr Patienten behandelt und vermutliche früher mit einer Behandlung begonnen. Da die neuen Medikamente enorm hohe Preise haben explodieren die Ausgaben. Für 2015 müssen Ausgaben in der Grössenordnung von 250 Mio. Franken erwartet werden. Dies ist verglichen mit 2013 zwanzigmal mehr!

Die folgende Grafik zeigt die Ausgabenentwicklung für die Hepatitis-C-Medikamente:

18-09-2015 Ausgabenentwicklung Medikamente Hepatitis C

Die Umsätze der einzelnen Hepatitis-C-Medikamente in diesem Jahr zeigen klar eine Dominanz von Sovaldi und Harvoni: 18-09-2015 Hepatitis C Umsätze OKP Jan-Jul 2015

Der Nachteil der Behandlungen sind ihre Kosten. Auf der ganzen Welt gab es Entrüstung über die zu hohen Preise. Zu Beginn lagen die Kosten für eine Tablette von Sovaldi in den USA bei 1000$. Eine Packung von Sovaldi mit 28 Tabletten wurde in der Schweiz zum Preis von Fr. 19‘208.50 eingeführt. Das Bundesamt hatte die Anwendung auf schwere Erkrankungen der Leber eingeschränkt, was von Betroffenen stark kritisiert wurde. In der Zwischenzeit wurde die Anwendung auf frühere Krankheitsstadien erweitert. Dadurch erfuhren alle neuen Medikamente eine Preissenkung zwischen 16% und 26%. So sank z.B. der Preis bei Sovaldi von Fr. 19‘208.50 pro Packung um 16% und liegt heute bei Fr. 16‘102.50.

Mit der Erweiterung der Limitation auf eine weniger schwere Erkrankung wird auch die Anzahl behandelter Patienten steigen. Eine Schätzung der Anzahl Patienten aus den bezahlten Leistungen in der Grundversicherung ist schwierig, da die Therapiedauer mit den verschiedenen Genotypen unterschiedlich ist. Im Jahr 2014 wurden schätzungsweise rund 1000 Patienten behandelt. In diesem Jahr werden vermutlich rund 3000 Patienten behandelt.

Die Ausgaben werden durch die Ausweitung der Anwendung weiter steigen. Die Ausrottung von Hepatitis C, wie sie von Betroffenen und auch von der Vereinigung SEVHep gefordert wird, verursacht zu den gegenwärtigen Preisen Kosten in Milliardenhöhe, da rund 80‘000 Personen mit Hepatitis C infiziert sind und bisher lediglich ein kleiner Teil behandelt wurde. 40‘000 Personen sollen gemäss den Experten noch nicht diagnostiziert sein, da sie keine Symptome der Krankheit haben. Gemäss Philip Bruggmann, Chefarzt ARUD SEVHep Vorstandsmitglied, braucht es eine „ökonomische Revolution“ (siehe SAEZ 23.7.2013).

Monsieur Santé ist
Dr. rer. pol. Andreas Schiesser

Sammler, Jäger und Gärtner im Gesundheitswesen seit  29 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen. Projektleiter Medikamente bei santésuisse im Bereich der Grundlagen und Tarifstrukturen. Familienvater, Jogger.

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