Monsieur Santé

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Silvia Schütz Die Kosten machen die Prämie

Der Hauptfaktor, der die Prämienhöhe beeinflusst, sind die Kosten der Leistungserbringer. Steigen die Kosten der Ärzte, Spitäler, Physiotherapeuten, aber auch die Kosten von Medikamenten und weiteren medizinischen Leistungen, dann steigen folgerichtig auch die Prämien. Denn die Prämien folgen den Kosten und müssen diese langfristig decken.

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Seit Längerem werden in den Medien Prognosen zum Prämienanstieg 2016 herumgeboten. Sie reichen von 4 bis 6,5 Prozent im Durchschnitt der Schweiz. Was ist die Grundlage dieser Zahlen?

Der Hauptfaktor, der die Prämienhöhe beeinflusst, sind die Kosten der Leistungserbringer. Steigen die Kosten der Ärzte, Spitäler, Physiotherapeuten, aber auch die Kosten von Medikamenten und weiteren medizinischen Leistungen, dann steigen folgerichtig auch die Prämien. Denn die Prämien folgen den Kosten und müssen diese langfristig decken.

Die Grafik zeigt, um wie viel diese medizinischen Leistungen von 2005 bis 2014 gestiegen sind: plus 29 Prozent. Die roten Balken zeigen, um wie viel die Prämien in diesem Zeitraum gestiegen sind: plus 28 Prozent. Was zum einen zeigt, dass wir mit unseren Prämien das bezahlen, was wir an medizinischen Leistungen „konsumieren“. Zum anderen zeigt es auch, dass die Prämien den Kosten folgen.

Zähe Appenzeller, wehleidige Städter?
Zwischen den Kantonen existieren grosse Unterschiede bei den Kosten pro versicherten Person. Die über 85-jährigen Menschen erzielten 2014 in Baselstadt die höchsten Ausgaben mit 13 095 Franken. Im Vergleich dazu konsumierte eine vergleichbare Person in Appenzell Innerrhoden 8 554 Franken. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den Kosten pro versicherten Person.

 

 Kosten
pro Ü-85-Jährigen
pro Versicherten
Aufenthalt im Spital
Bevölkerung
2005-2014
Ärztezahl 2005-2014
 Schweiz
CHF 11 209
 CHF 3 516
 5 Tage
 + 10 %
 + 29 %
 Baselstadt
CHF 13 095
 CHF 4 504
 7,5 Tage
 +   3 %
 + 15 %
 Waadt
CHF 12 911
 CHF 3 846
 4,5 Tage
 + 16 %
 + 38 %
 Tessin
CHF 12 219
 CHF 3 884
 6 Tage
 +  9 %
 + 42 %
 Zürich
CHF 11 107
 CHF 3 532
 5 Tage
 + 14 %
 + 28 %
 Appenzell-I.
CHF  8 554
 CHF 2 629
 3,6 Tage
 +  4 %
 + 24 %

 

 

Sind die Appenzeller Innerrhoder zäher und gesünder als die anderen?
Diese Frage kann Madame Santé so nicht beantworten. Hinweise für Interpretationen zu den tieferen Kosten in Appenzell Innerrhoden liefern die Bevölkerungszunahme und die Zunahme an praktizierenden Ärzten von 2005 bis 2014: Im Vergleich mit den anderen Kantonen stiegen beide geringer. Ein Grund ist sicher auch, dass Appenzell Innerrhoden kein Kantonsspital hat. Schwere Fälle werden in ausserkantonale Spitäler abgegeben. Demzufolge sind Aufenthalte im Spital in Innerrhoden mit 3,6 Tagen kürzer als bei Baselstadt mit Universitätsspital (7,5 Tage). Ein wichtiger Hinweis ist der Anstieg der Ärzte, da die Leistungen der Ärzte und die Leistungen im Spital ambulant zu 100 Prozent von der Grundversicherung bezahlt werden. Je mehr Ärzte praktizieren, desto höher die Kosten. In Appenzell Innerrhoden verlief die Zunahme der Praxen unterdurchschnittlich.

«Selbstbedienungsladen-Mentalität»
Dies sind nur einige von vielen Erklärungen zum unterschiedlichen Kostenanstieg in den Kantonen. Fakt bleibt: Die Kosten steigen Jahr für Jahr schweizweit in allen Kantonen, wenn auch unterschiedlich.

Was sind die Gründe für diesen jährlichen Kostenanstieg? Hier spielen der Fortschritt der Medizin und die zunehmende Alterung der Bevölkerung eine Rolle – ein Durchschnittsversicherter kostet in der Schweiz 3516 Franken, ein über 85-Jähriger 11209 Franken. Dazu gesellt sich die nachvollziehbare „Selbstbedienungsladen-Mentalität“ der Versicherten: Hat ein Versicherter die Franchisen und den Selbstbehalt aufgebraucht, will er möglichst viel „konsumieren“; schliesslich zahlt er ja genug Prämien dafür, so die Überlegung. All das kostet – und muss Jahr für Jahr wieder durch die Prämien gedeckt werden…

Madame Santé ist
Silvia Schütz

Ich bin Projektleiterin Kommunikation bei santésuisse für die Deutschschweiz.

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