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Jean-Paul Brönnimann Ab nach Deutschland – wo bin ich krankenversichert?

Ein Schweizer Rentnerehepaar hat beschlossen, der Schweiz den Rücken zuzukehren und den Ruhestand im benachbarten Deutschland zu verbringen. Welche Auswirkung hat das auf die Krankenversicherung? Ist ein Verbleib in der schweizerischen Krankenversicherung möglich oder muss es sich in Deutschland versichern? Seit dem In-Kraft-Treten des Personenfreizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der europäischen Union (1. Juni 2002) gelten u.a. folgende Grundprinzipien: …

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Rentner-Paar Kopf an Kopf auf einer Parkbank

Ein Schweizer Rentnerehepaar hat beschlossen, der Schweiz den Rücken zuzukehren und den Ruhestand im benachbarten Deutschland zu verbringen. Welche Auswirkung hat das auf die Krankenversicherung? Ist ein Verbleib in der schweizerischen Krankenversicherung möglich oder muss es sich in Deutschland versichern?

Seit dem In-Kraft-Treten des Personenfreizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der europäischen Union (1. Juni 2002) gelten u.a. folgende Grundprinzipien:

  • Du bist immer nur dem Recht eines Staates unterstellt, unabhängig davon, ob Du in einem oder mehreren Staaten einer Beschäftigung nachgehst oder aus einem oder mehreren Staaten eine Rente beziehst. Eine Doppelunterstellung ist nicht möglich.
  • Es gilt das Erwerbsortsprinzip, d.h. Du bist in dem Staat versichert, in dem Du eine Beschäftigung ausübst bzw. einmal ausgeübt hast.
  • Rentner, die aus mehreren Mitgliedstaaten eine Rente beziehen, davon eine Rente aus dem Wohnstaat, unterliegen den Rechtsvorschriften des Wohnstaates.
  • Rentner, die aus mehreren Mitgliedstaaten eine Rente beziehen und keine aus dem Wohnstaat, unterliegen den Rechtsvorschriften desjenigen Mitgliedstaates  wo sie am längsten versichert bzw. Beiträge (Prämien) geleistet haben.

Krankenversicherungsrechtliche Zuordnung
Unser Ehepaar bezieht eine schweizerische (Ehepaar-) AHV-Rente aus der früheren, unselbstständigen Tätigkeit der Ehepartner in der Schweiz. In Deutschland haben beide nie gearbeitet und beziehen demzufolge auch keine Rente des Wohnstaates. Gemäss dem einleitend erwähnten Erwerbsortsprinzip bliebt das Ehepaar somit dem schweizerischen Recht unterstellt und ist damit weiterhin in der Schweiz krankenversicherungspflichtig.

Optionsrecht
Rentner mit Wohnsitz Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal und Spanien können ein Optionsrecht ausüben. D.h. sie können zwischen der Krankenversicherung in der Schweiz und der Versicherung im Wohnstaat wählen. Dasselbe gilt für ihre nicht erwerbstätigen Familienangehörigen, mit Ausnahme von Portugal. Die nicht erwerbstätigen Familienangehörigen eines Rentners mit Wohnsitz Portugal müssen sich in Wohnstaat (Portugal) versichern. Für alle anderen gilt: Eine einmal getroffene Wahl kann in der Regel nicht mehr geändert werden!

Die Gemeinsame Einrichtung KVG hat auf ihrer Webseite eine Übersicht publiziert, welche aufzeigt, wer sich in der Schweiz versichern muss und wer zwischen der Versicherung in der Schweiz und im Wohnstaat wählen kann.

Unser Schweizer Ehepaar will vom Optionsrecht Gebrauch machen und sich in Deutschland krankenversichern. Das bedeutet, dass die AHV-Renten in Deutschland krankenversicherungspflichtig werden bzw. sie werden in die deutsche Krankenversicherung einbezogen. Der Beitrag der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt aktuell 14.6%. Der Eigenanteil der Rentner bei einer gesetzlichen Rente aus dem Ausland beträgt die Hälfte, d.h. 7.3%. Die andere Hälfte übernimmt die Rentenversicherung. Je nach Krankenkasse kommt noch ein Zusatzbeitragssatz zwischen 0.3% und 0.9% hinzu, der von den Rentnern alleine getragen werden muss. Die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 49’500 Euro/Jahr. Diese markiert das Maximum, bis zu dem in den Sozialversicherungen Beiträge erhoben werden. Der über diesen Grenzbetrag hinausgehende Teil eines Einkommens ist beitragsfrei.

Was ist bei der Befreiung von der Versicherungspflicht im Rahmen des Optionsrechts zu beachten?
Der Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht in der Schweiz hat schriftlich, innerhalb von drei Monaten ab Wohnsitznahme im EU-/EFTA-Staat zu erfolgen. Die Befreiung wird von der Gemeinsamen Einrichtung KVG vorgenommen. Eine spätere Befreiung wird von den Ländern mit Optionsrecht nicht akzeptiert. Einzig in Spanien ist eine Befreiung auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich.

Das Formular zur Befreiung findest Du hier als PDF.

(Quelle: Gemeinsame Einrichtung KVG)

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Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen, betreue ich auch den elektronischen Auskunftsschalter von Monsieur Santé als Social Media Koordinator.

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