Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Ambulante Geburt – Wessen Krankenkasse bezahlt die Erstuntersuchung?

Folgende Situation: Die Kosten der ambulante Geburt werden von der Krankenkasse der Mutter vergütet, die Erstuntersuchung des gesunden Neugeborenen jedoch nicht. Das Spital ist der Ansicht, dass die Erstuntersuchung des gesunden Säuglings über die Krankenkasse der Mutter abgerechnet werden kann. Letztere legt sich quer und stellt sich auf den Standpunkt, dass die Krankenkasse des Neugeborenen für die Kosten aufkommen muss. …

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Folgende Situation: Die Kosten der ambulante Geburt werden von der Krankenkasse der Mutter vergütet, die Erstuntersuchung des gesunden Neugeborenen jedoch nicht. Das Spital ist der Ansicht, dass die Erstuntersuchung des gesunden Säuglings über die Krankenkasse der Mutter abgerechnet werden kann. Letztere legt sich quer und stellt sich auf den Standpunkt, dass die Krankenkasse des Neugeborenen für die Kosten aufkommen muss. Wer hat Recht?

Monsieur Santé hat in der Vergangenheit schon mehrmals über die im KVG vorgesehenen Mutterschaftsleistungen informiert. Letztmals über das Thema der Kostenbeteiligung bei Komplikationen während der Schwangerschaft. Jedoch hat er sich nie konkret zur Frage der Vergütung der Kosten für die Erstuntersuchung des Neugeborenen geäussert.

Krankenkasse der Mutter oder des Neugeborenen?
Solange sich das Neugeborene mit der Mutter im Spital aufhält, übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung der Mutter die Kosten für die Pflege und den Aufenthalt des gesunden Neugeborenen (Art. 29 Abs. 2 Bst. d KVG). Unter Pflege sind die üblichen Pflegeleistungen für ein Neugeborenes zu verstehen. Diese fallen unter die besonderen Leistungen bei Mutterschaft. Erkrankt das Kind jedoch während des Aufenthaltes im Spital, werden die Behandlungskosten von der Krankenpflegeversicherung des Kindes übernommen.

Die Frage der Vergütung der Massnahmen der medizinischen Prävention gemäss Art. 26 KVG und insbesondere die Untersuchungen des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie der normalen kindlichen Entwicklung bei Kindern im Vorschulalter sind im Art. 12 c KLV geregelt. Darunter fällt auch die Erstuntersuchung des Neugeborenen nach der Geburt. Diese Leistungen fallen nicht unter den Begriff der Mutterschaft und sind daher vom Krankenversicherer des Kindes im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen.

Originalauszug aus der Botschaft des Bundesrates betreffend den Bundesbeschluss vom 21. September 1998 zum Artikel 29 Absatz 2 Buchstabe d KVG:
«Die in der KLV vorgesehenen präventiven Untersuchungen, gegenwärtig acht an der Zahl, sind vom Versicherer des Kindes zu übernehmen, das aufgrund von Art. 3 Absatz 1 KVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KVG obligatorisch versichert ist.»

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen.
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