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Silvia Schütz Heinz Brand im Interview – Die Krankenversicherer verdienen Besseres!

Heinz Brand, dem neuen Verwaltungsratspräsidenten von santésuisse, ist das vielfach kolportierte negative Bild der Krankenversicherer ein Dorn im Auge.  Die Krankenversicherer müssten die Wertschätzung erhalten, die sie verdienten, sagt er entschlossen in einem Interview mit infosantésuisse. Monsieur Santé hat den Beitrag gelesen und die interessantesten Fragen herausgepflückt. Welches sind Ihre wichtigsten Ziele und wie wollen Sie diese erreichen? Oberstes Ziel muss sein, die …

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Heinz Brand, dem neuen Verwaltungsratspräsidenten von santésuisse, ist das vielfach kolportierte negative Bild der Krankenversicherer ein Dorn im Auge.  Die Krankenversicherer müssten die Wertschätzung erhalten, die sie verdienten, sagt er entschlossen in einem Interview mit infosantésuisse. Monsieur Santé hat den Beitrag gelesen und die interessantesten Fragen herausgepflückt.

Welches sind Ihre wichtigsten Ziele und wie wollen Sie diese erreichen?
Oberstes Ziel muss sein, die hervorragenden Qualitäten unseres Gesundheitswesens zu erhalten, zu sichern und dies zu einem bezahlbaren Preis. Die Krankenversicherungen nehmen dabei als Kostenträger eine ganz wichtige Funktion ein. Leider wird ihre Rolle heute oft falsch eingeschätzt, weshalb die Krankenversicherer zu Unrecht ein unvorteilhaftes Image haben – das muss sich unbedingt ändern. Sie sollten endlich jene Wertschätzung erhalten, die sie aufgrund der wichtigen Aufgaben, die sie gut erfüllen, verdienen.

Nämlich?
Im Vergleich mit dem Ausland bieten unsere Krankenversicherer ihren Versicherten in aller Regel hervorragende Dienstleistungen an. Das ihnen anvertraute Prämiengeld verwalten sie professionell und im Interesse der Versicherten auch sehr wirtschaftlich. Die Krankenversicherer fungieren daher letztlich als «Interessenvertreter der vereinigten Prämienzahler». Diese Funktion der Krankenkassen sollte sich im Bewusstsein der Versicherten festsetzen und nicht jene der egoistischen Jäger nach guten Risiken. Eine andere wichtige Aufgabe sehe ich in der nachhaltigen Positionierung von santésuisse als führender Branchenverband in der Verbandslandschaft. Der Verband muss die vielfältigen Interessen seiner Mitglieder konsequent und mit Nachdruck verfolgen und seine Dienstleistungen zu deren Nutzen ausbauen. Ferner muss sich der Krankenkassenverband weiterhin engagiert für ein möglichst liberales Gesundheitswesen einsetzen und sich deshalb der Tendenz der stark zunehmenden Verstaatlichung entgegenstellen.

Gibt es Ziele, zu denen steinige Wege führen?
Grundsätzlich gilt es, eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung zu tragbaren Preisen sicherzustellen. Die absehbare, ungünstige Kostenentwicklung im Gesundheitswesen und die unerlässliche Kosteneindämmung bereiten mir grosse Sorgen. Das formulierte Ziel festzulegen, ist zwar einfach und schnell mehrheitsfähig. Doch den richtigen Weg dahin zu finden, der für alle Partner gangbar ist, bleibt die grosse Herausforderung, übrigens nicht nur für die Krankenversicherer.

Welche Themen werden Sie in den nächsten Jahren begleiten?
Zum einen wird mit Sicherheit das beschlossene Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) ein ungeliebter, wohl aber treuer Begleiter werden. Es gilt darauf hinzuwirken, dass die Aufsicht massvoll eingeführt und aus dem Gesetz keine bürokratische Krake wird. Ein Dauerbrenner wird aber sicher auch die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen sein. Hier muss die Tendenz weg von zu viel staatlicher Fürsorge und hin zu mehr Selbstverantwortung gehen. Weiter werden in Zukunft auch die Funktionen der einzelnen Player im Gesundheitswesen kritisch zu hinterfragen sein. Ich denke dabei etwa an die Kantone, die mit ihren verschiedenen Rollen den angestrebten Wettbewerb unter den Leistungsanbietern, beispielsweise im Spitalbereich, teilweise beeinträchtigen.

Welches sind die vordringlichsten Massnahmen, um den stetigen Kostenanstieg in der Krankenversicherung zu dämpfen?
Im System liegt noch einiges ungenutztes Potenzial für eine effizientere Versorgung. Der «Kantönligeist» gehört im Bereich der Spitalplanung abgebaut und die Bedarfsplanung sollte kantonsüberschreitend an die Hand genommen werden. Weiter ist bei der Ausgestaltung der Finanzierung wichtig, die beiden Spitalbereiche ambulant und stationär einheitlich zu finanzieren. Dadurch können bestehende falsche Anreize im Spitalbereich beseitigt werden. Besonders wichtig ist aber auch die Selbstverantwortung von Versicherten und Leistungserbringern. Der Konsum von Dienstleistungen im Gesundheitswesen steigt heute in einem Ausmass, welches langfristig nicht bezahlbar und daher verkraftbar ist. Die zunehmende Alterung der Gesellschaft oder der medizinische Fortschritt als Kostentreiber lassen sich aber nicht beeinflussen. Deshalb kann jeder einzelne bei sich selbst mit Sparen und dem verantwortungsbewussten Konsum von medizinischen Dienstleistungen beginnen.

Das ganze Interview ist in der Ausgabe Nr. 1/15 von infosantésuisse, dem Magazin der Schweizer Krankenversicherer, publiziert. Die Bezugsmöglichkeiten von infosantésuisse findest Du hier.

Madame Santé ist
Silvia Schütz

Ich bin Projektleiterin Kommunikation bei santésuisse für die Deutschschweiz.

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