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Cornelia Meier Ärztegerangel oder Ärztemangel? – Teil 1: In der Schweiz

Die medialen Signale zur Situation der ärztlichen Versorgung sind einhellig: Für die FMH wird der «Ärztemangel in der Schweiz immer deutlicher», die Neue Zürcher Zeitung geht auf die prekäre Situation bei den Schweizer Kinderärzten ein und der Bund möchte – gemäss NZZ – mit einem Masterplan «den Ärztemangel bekämpfen». Und was beschliesst das Parlament: Einen Zulassungsstopp. In …

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Zulassungssteuerung_Dichte Grundversorger und Spezialärzte

Die medialen Signale zur Situation der ärztlichen Versorgung sind einhellig: Für die FMH wird der «Ärztemangel in der Schweiz immer deutlicher», die Neue Zürcher Zeitung geht auf die prekäre Situation bei den Schweizer Kinderärzten ein und der Bund möchte – gemäss NZZ – mit einem Masterplan «den Ärztemangel bekämpfen». Und was beschliesst das Parlament: Einen Zulassungsstopp.

In den Medien ist unisono von einem Ärztemangel die Rede. Doch die politischen Entwicklungen gehen indes in die entgegengesetzte Richtung. So entschied das Parlament Anfang 2013 aufgrund einer markanten Zunahme der abrechnenden Ärzte die Zulassungssteuerung als dreijährige Übergangslösung wieder einzuführen.

Verwirrung entwirren
Höchste Zeit die Fakten auf den Tisch zu legen und die tatsächliche Situation bei den ambulanten Arztpraxen aufzuzeigen. Das obige Säulendiagramm stellt die Dichte der Grundversorger und der Spezialisten, welche im Januar 2013 über eine Zahlstellenregister-Nummer verfügten, dar . Ist eine Arztpraxis beim Zahlstellenregister registriert, kann sie zulasten der Grundversicherung abrechnen. Aus der Darstellung lassen sich zwei wichtige Beobachtungen herauslesen. Erstens übertrifft in vielen Kantonen die Zahl der Spezialisten die Zahl der Grundversorger. Ausgesprochen ausgeprägt ist diese Differenz in den Stadtkantonen Genf, Basel-Stadt sowie in Zürich, in der Waadt und im Tessin. Zweitens variiert die Dichte der Grundversorger und der Spezialisten von Kanton zu Kanton. Besonders ausgeprägt ist diese Variation bei den Spezialärzten. Hier liegt die Dichte der Spezialärzte teilweise weit über und teilweise unter der durchschnittlichen Anzahl Spezialärzten pro 1‘000 Einwohner von 1.61. Sind in Genf auf 1‘000 Bewohner rund 3.4 Spezialisten tätig, so zählt man im Kanton Uri auf 1‘000 Bewohner nur rund 0.5 Spezialisten.

Ärztegerangel oder Ärztemangel?
Gibt es in der Schweiz nun zu viele oder zu wenige Ärzte? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Nicht nur das Angebot an Ärzten spielt eine Rolle bei der Identifikation einer Über-, Unter- oder Fehlversorgung, sondern auch viele weitere Faktoren. So beispielsweise die regionale Bedarfssituation. Eine Bevölkerung mit hohem Durchschnittsalter und hohem Anteil an chronisch Kranken hat einen höheren Bedarf an Arztkonsultationen. Das Angebot an ambulant tätigen Ärzten müsste dementsprechend höher sein. Ein weiterer Faktor ist das Verhalten bei der Inanspruchnahme der ambulanten Leistungen. So existieren womöglich regionale Unterschiede in Bezug auf die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Behandlungsleistungen. Die Bevölkerung eines Kleinkantons ist sich wohl gewohnt in den Nachbarkantonen die ärztliche Behandlung durch einen Spezialisten in Anspruch zu nehmen. Das geringere Angebot an Spezialärzten in den Innerschweizer Kantonen könnte auf diese Weise plausibilisiert werden. Diese sogenannten Bedarfsindikatoren fehlen und erschweren eine Einschätzung der aktuellen Versorgungssituation.

Und jetzt?
Ob nun ein Ärztemangel vorherrscht oder nicht, kann somit nicht abschliessend beurteilt werden. Die zur Verfügung stehenden Daten lassen dennoch den Schluss zu, dass in erster Linie die ungleiche Verteilung der Arztpraxen innerhalb der Schweiz problematisch ist. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei den Spezialärzten, bei denen eine Konzentration in den attraktiven Zentrumskantonen zu beobachten ist. Diese Problematik der ungleiche Verteilung ist noch deutlicher auf der regionalen Ebene zu beobachten. Mehr dazu aber in einem nächsten Blogbeitrag.

Madame Santé ist
Cornelia Meier

Ich bin seit Oktober 2013 im Ressort Projekte und Grundlagen bei santésuisse tätig

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