Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Schwangerschaft ohne Kostenbeteiligung – auch bei Komplikationen!

M. Santé hat sich bereits in früheren Artikelserien («Monsieur Santé wird Mami» und «Fünf oft gestellte Fragen zur Kostenbeteiligung») zur Frage der Kostenbeteiligung im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsleistungen geäussert. Bisher galt, dass nur komplikationslose Schwangerschaften von der Kostenbeteiligung befreit werden. Was hat sich geändert? Solidaritätsprinzip Am 4. Dezember 1994 haben Volk und Stände das neue Bundesgesetz …

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pregnant woman sitting on sofa with thermometer

M. Santé hat sich bereits in früheren Artikelserien («Monsieur Santé wird Mami» und «Fünf oft gestellte Fragen zur Kostenbeteiligung») zur Frage der Kostenbeteiligung im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsleistungen geäussert. Bisher galt, dass nur komplikationslose Schwangerschaften von der Kostenbeteiligung befreit werden. Was hat sich geändert?

Solidaritätsprinzip
Am 4. Dezember 1994 haben Volk und Stände das neue Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) knapp mit 51,8% zu 48,2% angenommen und damit auch der vom Bundesrat angestrebten Stärkung der Solidarität zwischen den Versicherten zugestimmt, namentlich zwischen Gesunden und Kranken, Jungen und Alten sowie zwischen Frauen und Männer. Erreicht wurde dies dank dem Obligatorium der Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung), der vollen Freizügigkeit und der Einheitsprämie für Erwachsene (unabhängig von Alter und Krankheitsrisiko). Mit anderen Worten: Jede erwachsene Person – ob Mann oder Frau – zahlt eine identische Prämie, unabhängig vom Alter oder dem Hinweis auf ein Krankheitsrisiko.

Anpassung von Artikel 64 Absatz 7 KVG
Gemäss Art. 64 Abs. 7 KVG durften bisher die Versicherer auf den Leistungen bei Mutterschaft – bei normal verlaufender Schwangerschaft – keine Kostenbeteiligung erheben. Prophylaktische Eingriffe bei Risikoschwangerschaften und Behandlungen von Schwangerschaftskomplikationen (z.B. Verordnung von Kompressionsstrümpfen bei Venenproblemen oder Spitalaufenthalte infolge Komplikationen) galten gemäss konstanter Rechtsprechung hingegen als Krankheit und unterlagen somit der Kostenbeteiligung.

Aufgrund diverser Motionen und parlamentarischer Initiativen hat das Parlament am 21. Juni 2013 beschlossen, die Frauen, die während ihrer Schwangerschaft Komplikationen erleiden, den Frauen, deren Schwangerschaft normal verläuft, bezüglich Kostenbeteiligung gleichzustellen. Mit dieser Gleichstellung wurde eine der noch bestehenden Schwachstellen des im KVG verankerten Solidaritäts- bzw. Gleichheitsprinzips eliminiert.

Neue Regelung seit dem 1. März 2014
Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis 8 Wochen nach der Geburt müssen sich Frauen nicht mehr an den Kosten für medizinische Leistungen beteiligen und zwar unabhängig davon, ob es sich um besondere Mutterschaftsleistungen nach Art. 29 KVG bzw. Art. 13 KLV oder um Behandlungskosten von unabhängig von der Schwangerschaft auftretenden Krankheiten handelt. Diese Befreiung von der Kostenbeteiligung gilt auch für den Beitrag an die Kosten des Spitalaufenthaltes nach Art. 64 Abs. 5 KVG bzw. Art. 104 KVV (CHF 15.00 pro Spitaltag).

Den neuen Wortlaut des Art. 64 Abs. 7 KVG findest Du hier.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen.
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