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Frédérique Scherrer Wie geht man mit einer chronischen Krankheit um?

Ein Viertel der europäischen Bevölkerung leidet an einer chronischen Krankheit: Diabetes, Asthma, Fettleibigkeit, Brust- oder Prostatakrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkrheumatismus, chronische Rückenschmerzen und weiteren. Trotz deprimierenden Behandlungen kann man lernen, mit seiner Krankheit gesund zu leben und so Komplikationen zu vermeiden. Der Grundsatz für die Betroffenen lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: verstehen und lernen. Die Diagnose …

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autumn of life - conceptEin Viertel der europäischen Bevölkerung leidet an einer chronischen Krankheit: Diabetes, Asthma, Fettleibigkeit, Brust- oder Prostatakrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkrheumatismus, chronische Rückenschmerzen und weiteren. Trotz deprimierenden Behandlungen kann man lernen, mit seiner Krankheit gesund zu leben und so Komplikationen zu vermeiden.

Der Grundsatz für die Betroffenen lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: verstehen und lernen. Die Diagnose einer Krankheit ist schwer zu ertragen; umso mehr, wenn sie chronisch ist. Der Kranke reagiert zuerst mit einem Schock, das Leben teilt sich in ein «Vorher» und «Nachher». Es besteht aber auch eine Chance zur Veränderung: Der Patient muss seine Krankheit und deren Ursachen begreifen können. Dafür muss er Distanz gewinnen zu seinem Lebensstil, seinen Überzeugungen und Emotionen. Bei einer chronischen Krankheit ist ein Rückfall unvermeidlich, wenn das Verhalten nicht verändert wird. Durch Information und Wissensbildung erlangt der Patient schrittweise Sachkenntnisse, die ihn vom Pflegepersonal unabhängiger machen und ihm ermöglichen, ein Gleichgewicht zu finden, indem er das Beste aus seiner Krankheit macht. Eine Krankheit mit anderen Augen anzusehen, bedeutet, an ihr wachsen zu können.

Ein langwieriger Prozess
Bei der Diagnose einer chronischen Krankheit durchlebt der Patient verschiedene Phasen. Auf den Schock folgt eine Zeit der Verdrängung, die lange dauern kann. Wer aber seine Krankheit verdrängt, kann sich nicht mit ihr befassen. Dann kommt die Auflehnung, eine Form verdeckter Akzeptanz. Danach das Aushandeln mit sich selber – der erste Schritt in Richtung Akzeptanz. Und schliesslich wird das Interesse des Patienten erwachen, seine Krankheit zu akzeptieren und mit ihr leben zu lernen. Im Idealfall wird er sogar besser leben als zuvor. Das Verhalten ändert sich Schritt für Schritt. Eine kleine Veränderung, die nicht allzu schwer fällt, wird assimiliert. Ist diese erst einmal verankert, folgt die nächste. Auf diese Weise kann man das Grundverhalten ändern. Ob mit oder ohne Hilfe von Fachleuten ist dabei von sekundärer Bedeutung, Hauptsache, die Veränderung ist von Dauer.

Die Rolle des Pflegepersonals
Die meiste Zeit verbringt der Patient allein mit seiner Krankheit. Bei Diabetes empfängt ihn der Arzt alle drei Monate für 30 Minuten, was 0,02 Prozent seiner «Lebenszeit mit der Krankheit» ausmacht. Die Rolle der Pflegefachleute besteht daher in erster Linie darin, dem Patienten zuzuhören, bevor sie das gesamte medizinische Arsenal auffahren. Eine weitere Aufgabe besteht darin, ihm beizubringen, nicht nur auf seine Pfleger zu setzen, sondern unabhängig und selbstständig zu werden. Dafür braucht der Patient Wissen über seine Krankheit; der Patient muss die Vorzeichen eines Rückfallserkennen lernen, um ihn zu vermeiden. Zur Rolle des Pflegepersonals gehört zudem, den Patienten zu motivieren, seinen Lebensstil und sein Verhalten zu ändern.

Buchtipp: André Giordan, Alain Golay, Bien vivre avec sa maladie, JC Lattès, Paris, 2013

Madame Santé ist
Frédérique Scherrer

Je m’occupe principalement des publications en français de santésuisse: le magazine « infosantésuisse » et la lettre d’information « Mise au point ».