Monsieur Santé

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Dr. rer. pol. Andreas Schiesser Der Preisüberwacher macht Druck auf Generika-Preise

Medikamentpreise – neue Regeln für mehr Wettbewerb im patentfreien Bereich wünschenswert.

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Straßenschilder Behörden, Amtswege ( deutsch )

Analysiert man den Markt der patentabgelaufenen Medikamente so stösst man in der Schweiz auf verschiedene Probleme. Was ist patentabgelaufen? Wo findet sich diese Information? Welches sind Generika? – wie gross ist ihr Anteil am Medikamentenmarkt der Schweiz?

Transparenz ist anscheinend von der Seite des Regulators nicht ein Anliegen, sonst wären die Antworten auf diese Fragen vorhanden. Die Schweiz kennt mit der Spezialitätenliste eine Positivliste. Das heisst alle auf der Liste aufgeführten Medikamente müssen vergütet werden. Gekennzeichnet sind hier auch Generika. Bloss die Kennzeichnung kennt diese Liste erst ab 2006. Alte Medikamente wurden nicht nachgeführt. Es fehlt bei vielen Medikamenten ein Eintrag – auch bei patentgeschützten. Dies obwohl mit der Einführung des differenzierten Selbstbehalts im Jahr 2011 sogar ein Instrument zur Förderung der Anwendung günstigerer Medikamente geschaffen wurde und der Patient bei teureren Medikamenten mit dem selben Wirkstoff selber mehr zahlen muss. Die Festlegung dieses Betrags wird auf Basis der Einträge gemacht. Bei fehlenden Einträgen kommt das Medikament nicht in die Berechnung, was viele Anbieter freut. Als Generika werden vom Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) lediglich Medikamente gekennzeichnet, die exakt dem Original entsprechen. Sie müssen sämtliche Darreichungsformen, Dosierungen und auch die gleichen Packungsgrössen anbieten.

Gleich und doch nicht gleich
So gibt es auf der Spezialitätenliste viele Wirkstoffe, die mit den gleichen Dosierungen von verschiedenen Herstellern verkauft werden aber nicht als Generika bezeichnet werden. Bei fiebersenkenden und schmerzlindernden Mitteln die Paracetamol oder Ibuprofen enthalten, gibt es nach dem Bundesamt keine Generika. Sieht man diese Umstände, so wundert es nicht, dass im Vergleich mit anderen europäischen Ländern die Schweiz im 2012 mit rund 20% den geringsten mengenmässigen Generika-Anteil gemessen an der insgesamt abgesetzten Anzahl Medikamentenpackungen und das höchste Preisniveau hat. Die Preise der Generika liegen wie der letzte Auslandpreis von santésuisse gezeigt hat 49% über dem Niveau der Vergleichsländer. Wie günstig die Medikamente sind, stellen viele Schweizer fest wenn sie ins Ausland reisen und ein Medikament benötigen. Die Schweizer Generika Industrie scheint bereit für den Wettbewerb und fordert in Generika.News: „Wettbewerb statt Überregulierung“.

Vom Ausland lernen
Aus Sicht der Prämienzahler und Konsumenten stellt sich die Frage was bei patentabgelaufenen Medikamenten, wo ja Wettbewerb gewünscht wird, getan werden könnte, damit auch der Preis ein Wettbewerbselement wird. Vielleicht würde es helfen, zu analysieren was andere vergleichbare Länder wie z.B. Dänemark oder Holland unternehmen. Heute wird nach Patentablauf eines Medikamentes sein Preis verglichen mit dem Durchschnitt von sechs Referenzländern (Deutschland, Frankreich, Österreich, Holland, Dänemark und UK) und auf den Durchschnittspreis gesenkt. Generika müssen die definierten Anforderungen des BAG (Identisches Angebot wie das Original) erfüllen, damit sie Kassenzulässigkeit bekommen sowie einen definierten Abstand zum Preis des Originals  einhalten. Viele Länder in Europa wenden andere Mechanismen an und dies mit grossem Erfolg. So hat z.B. Dänemark den Wettbewerb gefördert indem generell die Preise desselben Wirkstoffes verglichen werden und der günstigste Preis als Betrag festgelegt wird, der vergütet wird. Will ein Patient das Original, so erhält er den Vergütungsbetrag und zahlt den Aufpreis selber. Wenn er aus medizinischen Gründen das Original benötigt, z.B. weil er auf einen Hilfsstoff allergisch ist, so kann der Arzt dies auf dem Rezept vermerken. In diesem Fall bezahlt er lediglich den vorgesehenen Selbstbehalt (in der Schweiz 10%).

Monsieur Prix macht Druck
Der Preisüberwacher hat nun Empfehlungen zur Entwicklung einer neuen Regelung des patentfreien Bereichs publiziert. Darin schlägt er folgende Massnahmen vor:

  • Aufhebung von wettbewerbsbehindernden Massnahmen wie z.B. die enge Definiton, was ein Generikum ist
  • Abbau von Handelshemmnissen. Die Verwendung und der Verkauf von ausländischen Packungen ist bei Medikamenten in der Schweiz nicht möglich obwohl der Wirkstoff, die Dosierungen und die Darreichungsformen meistens gleich sind und auch die Indikationen sich nicht unterscheiden.
  • Einführung der Vergütung auf Basis des tiefsten Preises für einen identischen Wirkstoff, Dosierung und Packung. Der Patient hätte immer noch die Möglichkeit das Original oder oder andere Medikamente mit demselben Wirkstoff zu kaufen. Er müsste dann lediglich die Differenz selber bezahlen. Ausnahmen aus medizinischen Gründen wären möglich – wie heute auch schon.
  • Einführung der Substitutionspflicht bei Vorhandensein von patentabgelaufenen Wirkstoffen.
  • Einführung der Verschreibung der Wirkstoffbezeichnung (international no propriatary name INN).
  • Überprüfung der Wirtschafltichkeit zweimal pro Jahr durch das BAG. Die Firmen können Angebote unterbreiten. Das BAG berücksichtigt das günstigste Angebot

santésuisse setzt sich für die Interessen der Prämienzahler ein und ist bereit bei der Ausgestaltung der neuen Regeln zur Kassenzulässigkeit mitzuwirken. Um eine möglichst hohe Akzeptanz zu erreichen sollen die Regeln unter Mitwirkung der verschiedenen Anspruchsgruppen entwickelt und ausformuliert werden. Wichtig wäre auch, dass ein allgemeines Antrags- und Rekursrecht bei der Aufnahme zur Kassenzulässigkeit installiert wird. Damit wird sichergestellt, dass das BAG ausgeglichene Entscheide im Sinne des gesetzlich definierten Rahmens fällt.

Monsieur Santé ist
Dr. rer. pol. Andreas Schiesser

Sammler, Jäger und Gärtner im Gesundheitswesen seit  29 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen. Projektleiter Medikamente bei santésuisse im Bereich der Grundlagen und Tarifstrukturen. Familienvater, Jogger.

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