Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Darf mir der Arzt die Herausgabe meiner persönlichen Krankengeschichte verweigern?

«Ich möchte gerne meinen Hausarzt wechseln. Darf ich meinem bisherigen Arzt meine komplette Krankengeschichte verlangen (inkl. Laborberichte, Röntgenbilder, EKG, Ultraschalluntersuchungen, OP-Berichte, Zeugnisse etc.? Falls ja, muss ich dafür bezahlen?» Monsieur Santé wird immer wieder mit Fragen in dieser oder ähnlicher Form konfrontiert. Die Antwort lautet kurz und bündig: Ja, bei einem Arztwechsel ist der bisherige …

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«Ich möchte gerne meinen Hausarzt wechseln. Darf ich meinem bisherigen Arzt meine komplette Krankengeschichte verlangen (inkl. Laborberichte, Röntgenbilder, EKG, Ultraschalluntersuchungen, OP-Berichte, Zeugnisse etc.? Falls ja, muss ich dafür bezahlen?»

Monsieur Santé wird immer wieder mit Fragen in dieser oder ähnlicher Form konfrontiert. Die Antwort lautet kurz und bündig: Ja, bei einem Arztwechsel ist der bisherige Arzt auf Anfrage des Patienten verpflichtet, die vollständige Krankengeschichte grundsätzlich gratis herauszugeben. Einzige Ausnahme: seine persönlichen Notizen gehören ihm.

Was heisst das genau?
Sämtliche Patientendossiers, die in den Arztpraxen geführt werden, sind dem Datenschutzgesetz (DSG) unterstellt. Gemäss Artikel 8 DSG muss der Arzt alle Daten seines Patienten herausgeben oder – falls der Patienten dies ausdrücklich wünscht – dem neuen Arzt übergeben. Nur seine persönlichen Notizen, die er ausschliesslich zu seinem persönlichen Gebrauch erstellt hat und die nichts mit der eigentlichen Krankengeschichte zu tun haben kann der Arzt für sich behalten.

Das Gute daran: alles ist gratis! Denn gemäss Artikel 8 Absatz 5 DSG gilt der Grundsatz der Kostenlosigkeit. Weder die Kosten für Fotokopien, noch die Versandkosten dürfen dem Patienten in Rechnung gestellt werden. Nur wenn die Auskunftserteilung mit einem besonders grossen Arbeitsaufwand verbunden ist, darf der Arzt eine angemessene Beteiligung verlangen (Artikel 2 der Verordnung zum Bundesgesetz über den Datenschutz, VDSG).

Die Röntgenbilder muss der Arzt dem Patienten in Original aushändigen. Diese wurden von ihm bezahlt und gehören ihm.

Was ist zu tun, wenn der Arzt die Herausgabe der Krankengeschichte verweigert?
Artikel 1 Absatz 4 VDSG schreibt dem Arzt eine Frist von 30 Tagen vor, um dem Begehren des Patienten nachzukommen. Falls der Arzt, trotz Fristen und Mahnungen, nicht reagiert oder sich im schlimmsten Fall weigert, die Krankengeschichte herauszugeben, bleibt dem Patienten leider nichts anderes übrig, als den Rechtsweg einzuschlagen! In einem solchen Fall lohnt es sich möglicherweise vorher den Rat einer Patientenvereinigung einzuholen. Die Dienste dieser Organisationen sind allerdings nicht kostenlos.

Patientenvereinigungen:

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 34 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig. Neben meinen Aufgaben als Experte im Fachbereich Leistungseinkauf bei tarifsuisse ag sowie als Vertreter von tarifsuisse ag in diversen paritätischen Kommissionen, betreue ich auch den elektronischen Auskunftsschalter von Monsieur Santé als Social Media Koordinator.

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