Monsieur Santé

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Dr. rer. pol. Andreas Schiesser Werden Generika wirklich billiger? – Bittere Pillen (2)

Die Methode der Pharmaindustrie behauptet, dass Generika in der Schweiz billiger werden würden. Das stimmt allerdings nur, weil die Pharmaindustrie «vergisst», seit 2002 neu auf den Markt gekommene Generika in den Vergleich miteinzubeziehen. In Wirklichkeit verändert sich der Warenkorb. Betrachtet man diesen, dann hat man bei Generika  einen deutlichen Preisanstieg zu verzeichnen. Zweite bittere Pille in Monsieur …

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PillenDie Methode der Pharmaindustrie behauptet, dass Generika in der Schweiz billiger werden würden. Das stimmt allerdings nur, weil die Pharmaindustrie «vergisst», seit 2002 neu auf den Markt gekommene Generika in den Vergleich miteinzubeziehen. In Wirklichkeit verändert sich der Warenkorb. Betrachtet man diesen, dann hat man bei Generika  einen deutlichen Preisanstieg zu verzeichnen. Zweite bittere Pille in Monsieur Santés Beitrags-Serie.

Dr. Peter Huber, Generalsekretär des Verbandes Intergenerika hat anlässlich der Pressekonferenz zum Auslandpreisvergleich verkündet, die Preise von Generika seien in den letzten 10 Jahren massiv gesunken (siehe Grafik).
13-02-2013 Generika Presientwicklung bei gleichem Warenkorb
Ist dies wirklich so? Die Antwort liegt in der Methode. Um eine Preisreduktion zu zeigen, werden nur die im 2002 vorhandenen Generika sowie patentabgelaufene Originale und ihre Preisentwicklung betrachtet. Ein Taschenspielertrick. So ergibt sich wie bei einem im 2002 gekauften Auto eine Wertverminderung über die Zeit. In der Realität verändert aber sich der Warenkorb der Generika: neue Generika kommen dazu, ältere obsolete Präparate verschwinden.

Methodisch korrekte Betrachtung
santésuisse hat zwei Analysen im patentabgelaufenen Bereich gemacht: Die Entwicklung der Packungspreise patentabgelaufener Originalpräparate und die entsprechende für Generika.
13-02-2013 Generika Presientwicklung Spezialitätenliste
Die Generikapreisentwicklung zeigt ein stetiges Wachstum. Seit 2003 haben die Preise der auf der Spezialitätenliste als Generika eingeteilten Packungen um 51% zugenommen. Die Zunahme ist gleich hoch wie beim Durchschnittspreis des gesamten Warenkorb. Die Zunahme der Preise zeigt, dass auch in diesem Segment kein wirklicher Preiswettbewerb stattfindet. Der Patient hat praktisch keinen Anreiz ein günstigeres Medikament zu verwenden. Darum findet der Wettbewerb nicht auf der Ebene des Preises statt.
13-02-2013 Presientwicklung patentabgelaufene Originale Spezialitätenliste
Bei der Preisentwicklung patentabgelaufener Packungen von Originalpräparaten fällt auf, dass diese Packungen erst ab 2006 als solche bezeichnet wurden, vermutlich zum Zeitpunkt der Einführung des differenzierten Selbstbehalts. Das Bundesamt für Gesundheit definiert ein Medikament als Originalpräparat zum Zeitpunkt des Markteintritts eines Generikums. Patentabgelaufene Medikamente von denen kein Generikum besteht sind daher gar nicht gekennzeichnet.

Der Wettbewerb spielt nicht
Auffallend ist die Zunahme bis 2012 und die anschliessende Reduktion des durchschnittlichen Preises. Erklärungen für den Preisrückgang könnten die erstmalig erfolgte 3-Jahresüberprüfung bei patentabgelaufenen Substanzen sein. Eine weitere Erklärung wäre der dynamisierte differenzierte Selbstbehalt, der 2012 eingeführt wurde. Hier könnte eine zusätzliche Klassifizierung von Präparaten als Originale durch das BAG stattgefunden haben, die früher nicht klassifiziert waren.

Generell können wir mit dieser Analyse zeigen, dass der Wettbewerb im patentabgelaufenen Pharmamarkt nicht spielt. Die Krankenversicherer und damit der Prämienzahler zahlen zu viel, was auch mit dem am 12. Februar veröffentlichten Auslandpreisvergleich gezeigt wurde.

Frühere Beiträge dieser Artikel-Serie:
Bittere Pillen (1): Medikamentenpreise steigen trotz Sparmassnahmen weiter an

Monsieur Santé ist
Dr. rer. pol. Andreas Schiesser

Sammler, Jäger und Gärtner im Gesundheitswesen seit  29 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen. Projektleiter Medikamente bei santésuisse im Bereich der Grundlagen und Tarifstrukturen. Familienvater, Jogger.

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