Monsieur Santé

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Hans Wohler Weshalb gibt es unterschiedliche Prämien für gleiche Leistungen?

Ich erinnere mich an die Volksabstimmung von 1994. Ein neues Krankenversicherungsgesetz (KVG) soll einheitliche Prämien bringen für die Versicherten, eine wirksame Kostendämpfung ist angesagt, ein besserer Versicherungsschutz wird garantiert und die Krankenversicherung wird obligatorisch. Was daraus geworden ist, sagt Monsieur Santé. Ja! Seit 1996 sind wir alle obligatorisch versichert, auch diejenigen, welche zuvor keiner Krankenversicherung …

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Ich erinnere mich an die Volksabstimmung von 1994. Ein neues Krankenversicherungsgesetz (KVG) soll einheitliche Prämien bringen für die Versicherten, eine wirksame Kostendämpfung ist angesagt, ein besserer Versicherungsschutz wird garantiert und die Krankenversicherung wird obligatorisch. Was daraus geworden ist, sagt Monsieur Santé.

  • Ja! Seit 1996 sind wir alle obligatorisch versichert, auch diejenigen, welche zuvor keiner Krankenversicherung mehr beitreten konnten, weil sie zu alt oder krank waren.
  • Ja! Der Versicherungsschutz wurde wesentlich verbessert, so haben wir heute nicht nur freie Arztwahl sondern auch freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz. Zugang für Jedermann/frau zu modernen Behandlungsmethoden und teuren Medikamenten. Und das ist für alle Krankenversicherer gesetzlich vorgeschrieben.
  • Nein. Die Kostendämpfung ist bis heute nicht gelungen. Die Kostenspirale dreht sich – so weit ich mich erinnere (1984) – munter weiter. Heute allerdings etwas langsamer als früher.
  • Und warum ist die Prämie für die Grundversicherung, wenn doch bei allen Krankenversicherungen die gleichen Leistungen versichert sind, so unterschiedlich?

Eine einfache Frage mit einer komplexen Antwort:

  1. Die Gesundheitsversorgung wie Zulassung der Ärzte und anderer Leistungserbringer, der Anzahl Spitäler und anderer Einrichtungen ist Sache der Kantone. Die Kantone finanzieren mit Steuergeldern die Prämienverbilligungen von finanziell schwächeren Versicherten und bezahlen einen grossen Teil an die Gesundheitskosten ihrer Einwohner durch die Spitalfinanzierung. Damit ergeben sich schon mal zwischen den Kantonen unterschiedliche Prämien.
  2. Für den Leistungsausgleich innerhalb eines Kantons für junge und alte Versicherte führt die «Gemeinsame Einrichtung» den Risikoausgleich. Dieser sorgt dafür, dass für junge Versicherte Prämienanteile abgeführt werden und damit für ältere Versicherte Beiträge an die Versicherungsleistungen vergütet werden. Damit soll erreicht werden, dass die Prämien bei einem Krankenversicherer, dessen Versicherte ein überdurchschnittliches Durchschnittsalter aufweisen («schlechte Altersstruktur»), nicht übermässig steigen. So wird das Risiko ausgeglichen, weil bekanntlich mit zunehmendem Alter auch die Gesundheitskosten zunehmen. Das ist eine gesetzliche Massnahme, welche die Prämienunterschiede zu dämpfen versucht.
  3. Dann gibt es bekanntlich verschiedene Versicherungsformen. Zum Beispiel Versicherung mit wählbarer Franchise, Versicherung mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer (Hausarztmodelle) und Bonusversicherung. Weil diese Arten auch vermehrte Selbstverantwortung für die Versicherten bedeutet, sind hier die Prämien wieder unterschiedlich.
  4. Ebenso erlaubt das Gesetz in diversen Kantonen bis zu drei Prämienstufen. Weil die Versicherten, welche in Städten wohnen, mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, bezahlen sie eine höhere Prämie als Versicherte in Landregionen, welche weniger Gesundheitskosten verursachen. Das führt logischerweise zu unterschiedlichen Prämien.

Grundsätzlich gilt: Prämien sind das Abbild von bezogenen Versicherungsleistungen!

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Hans Wohler /hw
Monsieur Santé ist
Hans Wohler

Ich war seit 1984 in verschiedenen Funktionen im Bereich Krankenversicherung tätig. Als dipl. Krankenversicherungsexperte und Erwachsenenbildner HF interessiere ich mich für alle Belange im Gesundheitswesen. Seit Juni 2013 bin ich im (Un-)Ruhestand.

Man findet mich auch auf LinkedIn.