Monsieur Santé

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Luca Petrini Wieso sich die Innerschweiz für Ärzte lohnt

Die Medikamentenabgabe in der Arztpraxis (Selbstdispensation) wird kantonal unterschiedlich gehandhabt. Je nach Kanton ist diese Form der Medikamentenabgabe erlaubt, teilweise erlaubt oder gar nicht bzw. nur in Notfallsituationen erlaubt. Hat die Selbstdispensation nun Einfluss auf die Höhe des Ärzteeinkommens? Monsieur Santé geht dieser Frage nach. Die beiliegende Grafik ist ein Indiz dafür. Spitzenreiter Obwalden, mit …

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Die Medikamentenabgabe in der Arztpraxis (Selbstdispensation) wird kantonal unterschiedlich gehandhabt. Je nach Kanton ist diese Form der Medikamentenabgabe erlaubt, teilweise erlaubt oder gar nicht bzw. nur in Notfallsituationen erlaubt. Hat die Selbstdispensation nun Einfluss auf die Höhe des Ärzteeinkommens? Monsieur Santé geht dieser Frage nach.

Die beiliegende Grafik ist ein Indiz dafür. Spitzenreiter Obwalden, mit dem höchsten durchschnittlichen Medikamentenanteil am Gesamtumsatz KVG (49%), weist auch das höchste mittlere Ärzteeinkommen aus (CHF 287’200). Die Grafik zeigt zudem ein typisches Muster: Im oberen rechten Quadranten (Medikamentenanteil und Ärzteeinkommen überdurchschnittlich) befinden sich Kantone der Zentral- und Ostschweiz sowie Basel-Land. In diesen Kantonen ist die Selbstdispensation erlaubt. Im unteren linken Quadranten (Medikamentenanteil und Ärzteeinkommen unterdurchschnittlich) befinden sich hingegen Kantone der Westschweiz und das Tessin. In diesen Kantonen ist die Selbstdispensation grundsätzlich nicht erlaubt. Ein hoher/tiefer durchschnittlicher Medikamentenanteil geht folglich mit einem hohen/tiefen mittleren Ärzteeinkommen einher.

Ausgleich über Taxpunktwert findet nicht statt
Die Selbstdispensation bzw. der damit erzielte Umsatz scheint somit eine wichtige Grösse für die Bestimmung der Höhe des Ärzteeinkommens zu sein. Dieses Resultat überrascht nicht allzu sehr. Arztpraxen mit einer zusätzlichen Einnahmequelle (Selbstdispensation) verdienen halt einfach mehr. Interessant ist aber ein anderer Punkt: Der Preis für ärztliche Leistungen, der sogenannte Taxpunktwert Tarmed, weist ebenfalls ein Ost-West-Gefälle aus. Die Kantone der Zentral- und Ostschweiz besitzen tiefe und die Kantone der Westschweiz hohe Taxpunktwerte. Dies steht, gemäss der Argumentation der FMH, im Zusammenhang mit den kantonalen Unterschieden bezüglich der Selbstdispensation. Im Sinne eines Einkommensausgleichs erhalten selbstdispensierende Ärzte und Ärztinnen in der Zentral- und Ostschweiz einen tiefen und umgekehrt nicht-selbstdispensierende Ärzte und Ärztinnen in der Westschweiz einen hohen Taxpunktwert für ihre Leistungen.

Dieser Einkommensausgleich findet aber, wie die Grafik zeigt, nicht statt. Die kantonalen Differenzen bei den mittleren Ärzteeinkommen sind immer noch beträchtlich. Unabhängig davon, ob ein Einkommensausgleich erwünscht ist, bleibt eine Erkenntnis: Auf das eigene Portemonnaie reduziert, sollten freipraktizierende Ärzte und Ärztinnen aufgrund der Möglichkeit der Selbstdispensation in der Zentral- und Ostschweiz eine Praxis eröffnen. Die eigentliche Aufgabe, nämlich die Erbringung von ärztlichen Leistungen, macht ökonomisch gesehen höchstens als «Komplementärgut» Sinn.

Monsieur Santé ist
Luca Petrini

Ich war bis Ende 2012 als Projektleiter und stv. Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung bei tarifsuisse ag tätig.

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