Monsieur Santé

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Franz Wolfisberg Wie viele Ärzte braucht das Land?

Uns Schweizern geht es insgesamt gut, ja sehr gut. Vieles haben wir im Überfluss und die berühmt-berüchtigte Frage «Darf’s es bitzli Meh si?» wird ja durchwegs und überall mit Ja beantwortet. So auch im Gesundheitswesen. So wie das «bitzli Meh» auch in der Metzgerei etwas mehr kostet, ist es auch bei den Gesundheitskosten und schliesslich bei …

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Uns Schweizern geht es insgesamt gut, ja sehr gut. Vieles haben wir im Überfluss und die berühmt-berüchtigte Frage «Darf’s es bitzli Meh si?» wird ja durchwegs und überall mit Ja beantwortet. So auch im Gesundheitswesen. So wie das «bitzli Meh» auch in der Metzgerei etwas mehr kostet, ist es auch bei den Gesundheitskosten und schliesslich bei den Prämien.

Unser Gesundheitswesen zählt weltweit zu den besten und wir verfügen wohl über die kürzesten Wege zur nächsten Arztpraxis und zum nächsten Spital. Auf einer Ferienreise durch Finnland sagte mir ein Arzt spasseshalber einmal, dass in Finland nicht die Spitäler sondern die Taxi’s besser ausgestattet werden. Der Grossteil der Kinder werde ja auf der langen Fahrt zum Spital im Taxi geboren. Nun, ein Funken Wahrheit wird diese Aussage ja beinhalten und trotzdem geht es den Finnen nicht wesentlich schlechter als uns.

Weniger Patienten pro Arzt
In der Schweiz lebten 2004 rund 7.415 Mio. Einwohner. Die Zahl der Arztpraxen betrug damals 18’157. Jede Arztpraxis war also durchschnittlich für 408 Einwohner zuständig. 2008 verzeichnete die Schweiz 7.701 Mio. Einwohner und 19’475 Arztpraxen. Die Patientenzahl pro Arztpraxis sank also auf 395. Heute zählt die Schweiz rund 8 Mio. Einwohner bei 22’201 Arztpraxen. Durchschnittlich entfallen also nur noch ca. 360 Patienten pro Praxis. Insgesamt wuchs die Bevölkerung seit 2004 um ca. 7.9%. Die Arztpraxen jedoch stiegen um 22%!

Wo liegt nun das Problem? Während im Zeitraum von 2005 bis heute die Zahl der «hausarztorientierten Praxen» (Allgemeinmedizin, Innere Medizin, prakt. Arzt) um rund 20 % anstieg, betrug die Zunahme bei den Spezialärzten um 23%. Statistisch haben die Spezialärzte also scheinbar noch nicht in einem dermassen Grossumfang zugenommen, wie es oft scheint, publiziert und kommentiert wird. Vielleicht sind wir alle aber etwas wehleidiger und vor allem anspruchsvoller geworden. Vielleicht rennen wir tatsächlich vermehrt von Arzt zu Arzt bis wir die Diagnose hören, die wir uns im Internet selbst herausgesucht haben. Oder ist es umgekehrt: Verleitet die zunehmende Zahl an Arztpraxen den einzelnen Arzt als Unternehmer dazu, die kleinere Zahl an Patienten zu umfassend zu versorgen und ihn ein zusätzliches Mal zur Kontrolle zu bestellen?

Vertragszwang aufheben
Ich denke, das Hauptproblem liegt darin, dass alle Ärzte, welche die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und eine Praxis eröffnen, automatisch zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zugelassen sind. Das bedeutet auch weitgehend, dass unser System irgendwie ein «Selbstbedienungsladen» ist; für uns Patienten und Versicherte, aber auch weitgehend für die Ärzte. Abhilfe kann nur geschaffen werden, wenn der Staat einschreitet und die Zulassungen (wieder) beschränkt oder dann die Vertragspflicht der Krankenversicherer gegenüber den Ärzten (und übrigen Leistungserbringern) lockert oder sogar aufhebt. Der Bundesrat hat sich nun erneut für einen Zulassungsstopp entschieden. Wir kehren damit zu einem System zurück, das schon gehandhabt, aber auch schon als «untauglich» bezeichnet wurde. Neue Erkenntnisse werden somit wohl kaum gewonnen.

Das Gesundheitswesen ist ein bedeutender und grosser Markt. Da der Staat nicht oder nur beschränkt in einem Markt eingreifen soll, ist es naheliegend, dass nur die Aufhebung des Vertragszwangs eine Verbesserung der Situation bringt. Die Politiker sind also gefordert, die entsprechenden Weichen während der neuen Dauer des Zulassungsstopps zu stellen!


JHUCGDCREZRS

Monsieur Santé ist
Franz Wolfisberg

Ich bin seit über 20 Jahren im Bereich der Krankenversicherung tätig (Kantonalverband Luzerner Krankenkassen – Zentralschweizer Krankenversichererverband – santésuisseSASIS AG) und erlebte in dieser Zeit die massiven Veränderungen und Umbrüche im schweizerischen Gesundheitswesen.

Meine Erkenntnis: Alle helfen Sparen, damit es teurer wird!