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Dr. Christoph Q. Meier Gegenvorschlag zur Einheitskasse spart keinen Rappen

Gesundheitsminister Alain Berset schlägt bei seinem Gegenvorschlag zur Einheitskassen-Initiative teilweise Massnahmen vor, welche das System komplizierter und teurer machen, statt es zu verbessern. Der Gegenvorschlag des Bundesrats wurde in den Medien auch als «Placebo» bezeichnet. Ein Placebo schadet immerhin nicht. Zwei von drei Vorschlägen des Gegenvorschlags sind aber die falschen Medikamente. Sie machen das System komplizierter und …

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Gesundheitsminister Alain Berset schlägt bei seinem Gegenvorschlag zur Einheitskassen-Initiative teilweise Massnahmen vor, welche das System komplizierter und teurer machen, statt es zu verbessern.

Der Gegenvorschlag des Bundesrats wurde in den Medien auch als «Placebo» bezeichnet. Ein Placebo schadet immerhin nicht. Zwei von drei Vorschlägen des Gegenvorschlags sind aber die falschen Medikamente. Sie machen das System komplizierter und teurer, ohne es zu verbessern. Vielleicht haben parteitaktische Überlegungen dabei eine wichtige Rolle gespielt? Die Zeche müssten aber alle Versicherten bezahlen. Ein guter Vorschlag ist dagegen der verfeinerte Risikoausgleich.

  1. Der verfeinerte Risikoausgleich:
    Gut, dass der Bundesrat und die Krankenversicherer sich in dieser Sache einig sind, und sich gemeinsam für eine bessere Solidarität zwischen den Versicherten einsetzen. Mit dieser Massnahme, die santésuisse bereits 2010 vorgeschlagen hat, werden sich die Krankenversicherer noch stärker auf die Servicequalität und optimale Behandlungspfade der Patienten fokussieren können. Der gesunde Wettbewerb unter den Versicherern wird aufrecht erhalten. Das kommt allen Prämienzahlenden zugute.
  2. Die vollständige Trennung von Grund- und Zusatzversicherung.
    Heute können alle frei wählen, ob sie Grund- und Zusatzversicherungen bei demselben oder bei verschiedenen Versicherern abschliessen wollen. Wer will, kann die Grundversicherung jederzeit bei einer anderen Krankenkasse abschliessen; die Zusatzversicherung muss dafür nicht gezügelt werden und die Konditionen bleiben gleich gut. 80 – 90 % der Zusatzversicherten haben ihre Grundversicherung bei derselben Versicherung abgeschlossen. In Umfragen will die grosse Mehrheit die Serviceleistung aus einer Hand. Aber genau das würde künftig verunmöglicht!
    Die erzwungene Trennung widerspricht den Bedürfnissen der Versicherten! Sie würde das System verkomplizieren und die Prämien verteuern: Die Administration müsste verdoppelt werden. Die Verrechnung und Auszahlung von Geld würde schwerfälliger und komplizierter. Die Versicherten müssten ihre Rechnungen jeweils an zwei verschiedene Versicherer schicken und länger auf die Auszahlung warten.
    Fazit: 1. Damit wird kein Rappen eingespart, sondern zusätzliche Kosten generiert. 2.  Das Leben wird für die Kranken komplizierter. 3. Ein zusätzlicher Nutzen entsteht nicht.
  3. Die Rückversicherung für Hochriskofälle:
    Die Rückversicherung für Hochriskofälle ist unnötig und falsch konzipiert. Sie schafft verkehrte ökonomische Anreize. Es würden ausgerechnet jene Versicherungen bestraft, welche sich besonders sorgfältig und kostengünstig um die teureren Fällen kümmern. Die Entwicklung innovativer Modellen für ein wirksames Management von Hochkostenfällen würde für die Versicherungen unrentabel. Die Leidtragenden wären die Prämienzahler, gerade auch die schwer- und chronisch Kranken. Eine Rückversicherung darf nicht als erster Schritt zu einer Einheitskasse konzipiert werden. Sinnvolle und gut funktionierende individuelle Rückversicherungen kennen die Krankenversicherer hingegen schon längst.
    Es ist auch unsinnig, gleichzeitig den verfeinerten Risikoausgleich und eine Rückversicherung einzuführen. Die beiden Massnahmen würden sich nur gegenseitig behindern. Der verfeinerte Risikoausgleich ist die richtige Lösung, er darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.
Monsieur Santé ist
Dr. Christoph Q. Meier

Direktor von santésuisse von Juni 2012 bis Mai 2013.