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Stephan Colombo SwissDRG: Deutsches System zu deutschen Preisen?

Seit dem 1. Januar 2012 werden stationäre Spitalaufenthalte gemäss SwissDRG vergütet. Kaum waren die ersten Rechnungen ausgestellt, lamentierten Spitäler über eine Untervergütung und schlugen einen Systemwechsel vor: Da die Schweizer Tarifstruktur zu wenig differenziert sei, soll das Deutsche System übernommen werden. Ein Vorschlag, dem die Prämien- und Steuerzahler nur zustimmen könnten, sofern auch die Deutschen Basisfallpreise importiert …

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Seit dem 1. Januar 2012 werden stationäre Spitalaufenthalte gemäss SwissDRG vergütet. Kaum waren die ersten Rechnungen ausgestellt, lamentierten Spitäler über eine Untervergütung und schlugen einen Systemwechsel vor: Da die Schweizer Tarifstruktur zu wenig differenziert sei, soll das Deutsche System übernommen werden. Ein Vorschlag, dem die Prämien- und Steuerzahler nur zustimmen könnten, sofern auch die Deutschen Basisfallpreise importiert werden. 

Mit «SwissDRG» wird die Tarifstruktur bezeichnet, an Hand derer die Krankenversicherer die stationären Spitalaufenthalte seit dem 1. Januar 2012 vergüten. Jeder Spitalaufenthalt wird einer der rund 1’000 Fallgruppen zugeordnet. Das Kostengewicht der entsprechenden Fallgruppe wird dann mit dem Basisfallpreise multiplziert, um die Vergütung zu bestimmen.

Das System stammt ursprünglich aus Deutschland, dort heisst es G-DRG, und wurde im Laufe der vergangen Jahre an die hiesigen Verhältnisse angepasst. Diese Helvetisierung möchten Spitalvertreter nun rückgängig gemacht sehen, indem die deutsche Tarifstruktur telquel übernommen werden soll. Ohne auf die generelle Sinnhaftigkeit einzugehen, drängt sich aus Sicht der Kostenträger (Kantone und Versicherer als Treuhänder der Steuer- und Prämienzahler) natürlich die Frage auf, ob nebst der Tarifstruktur nicht auch die deutschen Basisfallpreise übernommen werden sollen. Denn ein Vergleich zwischen den beiden Ländern zeigt erhebliche Unterschiede auf: Die Schweizer Spitäler verdienen doppelt so viel wie ihre deutschen Kollegen! Zu diesem Ergebnis kommt, wer die Vergütung der Betriebskosten in den beiden Ländern miteinander vergleicht:

  • DE: 3’000 € (Basisfallpreis) / 0.83 (Anteil Basisfallpreis an Betriebskosten) * 1.2 CHF / € = 4’340 CHF
  • CH: 9’500 CHF (provisorische Baserate, inkl. Investitionen) / 1.1 (Abzug für Investitionen) = 8’600 CHF

Natürlich weist die Schweiz ein höheres Lohn- und Kostenniveau als Deutschland auf. Aber dass die Leistungen der Schweizer Spitäler deshalb doppelt so hoch vergütet werden sollen, leuchtet mir nicht ein. Und kann dem Prämienzahler auch nicht einleuchten. Vielmehr suggeriert der Vergleich, dass die Schweiz insgesamt eine ineffiziente Versorgungstruktur aufweist. «Jedem Täli sein Spitäli» bedeutet ja nichts anderes, als dass es zu viele, kleine Spitäler gibt. Dies hat seinen Preis, den der Prämienzahler berappen muss.

Es bleibt die Hoffnung, dass die neue Spitalfinanzierung den Wettbewerb zwischen den Spitälern stärkt, sowie die Kantone zu innovativen und umsichtigen Versorgungsplanern werden lässt. Schliesslich soll sowohl der Patient als auch der Prämienzahler von der Gesetzesrevision profitieren.

Monsieur Santé ist
Stephan Colombo

SwissDRG von A bis Z.