Monsieur Santé

Navigation anzeigen Startseite anzeigen Suchefeld anzeigen

Daniel Habegger Eins ins Töpfchen, zwei ins Kröpfchen

Letzte Woche sind Elemente von  Bundesrat Bersets Gegenvorschlag zur Einheitskassen-Initiative in die Medien gelangt. Monsieur Santé nimmt die drei medial erwähnten Elemente unter die Lupe. Einzig der verbesserte Risikoausgleich bringt den Versicherten konkrete Vorteile. Hochrisikopool und die Trennung von Grund- und Zusatzversicherung hätten dagegen negative Auswirkungen auf die Krankenversicherung und für die Versicherten. Ein nochmals verbesserter …

weiterlesen »

Letzte Woche sind Elemente von  Bundesrat Bersets Gegenvorschlag zur Einheitskassen-Initiative in die Medien gelangt. Monsieur Santé nimmt die drei medial erwähnten Elemente unter die Lupe. Einzig der verbesserte Risikoausgleich bringt den Versicherten konkrete Vorteile. Hochrisikopool und die Trennung von Grund- und Zusatzversicherung hätten dagegen negative Auswirkungen auf die Krankenversicherung und für die Versicherten.

Ein nochmals verbesserter Risikoausgleich mit Wirkung vor allem im ambulanten Bereich ist ein nützliches und konstruktives Anliegen. Im Interesse der Patienten werden die Innovationen bei den medizinischen Leistungen und bei der Servicequalität begünstigt. Der Wettbewerb unter den Krankenkassen um die besten Behandlungsangebote wird gestärkt. Bereits mit der Managed-Care-Vorlage hätte ein «Morbiditätsindikator» eingeführt werden sollen. Der verfeinerte Risikoausgleich sollte aber besser via KVG-Revision eingeführt werden. Via Gegenvorschlag zur Einheitskassen-Initiative wäre er gefährdet.

Hochrisikopool: gut gemeint, aber unnütz 
Kein nützlicher Vorschlag ist die Einführung eines Hochrisikopools! Die Anreize für ein wirksames und erfolgreiches Disease- und Case-Management würden dadurch für die Versicherer an Bedeutung verlieren. Dies würde die Entwicklung von innovativen Modellen zur wirksamen und kostengerechten Krankheitsbehandlung bzw. koordinierten Patientenpfaden beeinträchtigen. In Deutschland z. B. wurde der entsprechende Mechanismus deshalb bereits wieder abgeschafft. Ausserdem verteilen sich in der Krankenversicherung die seltenen, wirklich sehr teuren Fälle auf alle Versicherten und Versicherer. Wenn ein Versicherer ein Risiko als zu gross einschätzt, schliesst er standardmässig Rückversicherungen ab, womit die teureren Fälle finanziell gedeckt sind. Schliesslich setzen die Versicherer bei teuren Fällen standardmässig Case-Manager ein, welche im Einzelfall für die wirksame und kostengerechte Behandlung der Patienten besorgt sind. Für schwere Erkrankungen entwickeln die Versicherer wirkungsvolle Disease-Management-Programme. Auch die wissenschaftliche Auswertungen zeigen, dass ein Hochrisikopool kaum positive, hingegen deutlich negative Auswirkungen hat. Kommt hinzu, dass mit dem Schweizerischen Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer (SVK) bereits eine gut funktionierende wirksame Einrichtung besteht, um Krankheitsbilder mit besonders teuren Behandlungen – wie z.B. künstliche Ernährung, Dialyse, Heimventilation, Transplantationen, besonders teure Medikamente, IV-Koordination und Lähmungsinvaliditäts-Versicherung – patientengerecht und effizient umzugehen. Last but least: Ein Hochrisikopool führt nicht zu einer empirisch feststellbaren Reduktion der Risikoselektion.

Getrennt und teurer
Ebenso negative Effekte hätte die Trennung von Grund- und Zusatzversicherung. Dadurch würden beide Angebote der Krankheitsversicherung verteuert, was kaum im Interesse der Versicherten sein kann: Die Gründe wären doppelt geführte Administrationen und verlorene Synergien bei der Kundenbewirtschaftung. Weil mit der Trennung mit höheren versicherungstechnischen Risiken gerechnet werden müsste, wären viele Krankenversicherer gezwungen, ihre Reserven zu erhöhen. Die geforderte Trennung hat für die Versicherten weitere direkte Nachteile: Eine deutliche Zwei-Drittel-Mehrheit der Schweizer Bevölkerung wünscht sich gemäss der jährlichen Bevölkerungsumfragen sondage santé einen einzigen Ansprechpartner für die obligatorische und fakultative Krankenversicherung. Die Beratung und die Abwicklung von Leistungen soll «aus einer Hand» erfolgen. Beides wäre mit der Trennung nicht mehr möglich.  Ausserdem: Mit der vom Parlament derzeit bearbeiteten, optimierten KVG-Aufsichtsgesetzgebung wird die kritisierte  Querfinanzierung von den Zusatzversicherungen zur Grundversicherung bereits einer Lösung zugeführt. Sowieso haben die meisten Krankenversicherer mit beiden Angeboten die Buchführungen bereits heute getrennt. Auch die eher theoretischen Möglichkeiten zur Risikoselektion werden im Wesentlichen mit dem verfeinerten Risikoausgleich erreicht und nicht mit einer Trennung von Grund- und Zusatzversicherung.

Monsieur Santé meint: Den guten Vorschlag des Risikoausgleichs ins Töpfchen, die beiden unsinnigen ins Kröpfchen.

Monsieur Santé ist
Daniel Habegger

Ich bin bei santésuisse im Bereich Public Affairs tätig.

Man findet mich auch auf XING.