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Luca Petrini Tarmed-Tarif: Ein Instrument zur Stützung der Hausarztmedizin?

In letzter Zeit wird oft über eine Aufwertung der Hausarztmedizin debattiert. Um dies zu erreichen, fordert das Initiativkomitee «Ja zur Hausarztmedizin» unter anderem Anpassungen am Tarifsystem Tarmed, welches als Haupteinnahmequelle der in freier Praxis tätigen Ärzte und Ärztinnen gilt. Es stellt sich nun die Frage, ob eine Anpassung des Tarifsystems Tarmed dieses Ziel erreichen kann. …

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In letzter Zeit wird oft über eine Aufwertung der Hausarztmedizin debattiert. Um dies zu erreichen, fordert das Initiativkomitee «Ja zur Hausarztmedizin» unter anderem Anpassungen am Tarifsystem Tarmed, welches als Haupteinnahmequelle der in freier Praxis tätigen Ärzte und Ärztinnen gilt. Es stellt sich nun die Frage, ob eine Anpassung des Tarifsystems Tarmed dieses Ziel erreichen kann.

Wie die Grafik zeigt, erhöhte sich der durchschnittliche Tarmed-Umsatz der Hausärzte und Hausärztinnen (Facharztgruppen Allgemeine Innere Medizin und Kinder- und Jugendmedizin) zwischen 2007 und 2011 um 6%. Dasjenige der Spezialisten entwickelte sich während dieser Zeit jedoch mit 17% weitaus stärker. Um den Anstieg der Spezialisten wett zu machen, müsste der Tarmed-Umsatz der Hausärzte und Hausärztinnen im aktuellen Jahr um 15% erhöht werden.

Genau eine solche Aufwertung via Tarmed-Tarif wird derzeit seitens der Hausärzte und Hausärztinnen gefordert. Unterstützung erhalten sie dabei von der Politik und teilweise auch von den Krankenversicherern. Eine Aufwertung des Tarmed-Umsatzes der Hausärzte und Hausärztinnen um 15% kostet insgesamt rund 250 Millionen jährlich. Wer diese Mehrkosten aufbringen soll, ist noch völlig offen.

Scheinlösung lindert nur Symptome

Das Hauptproblem liegt aber woanders. Um eine mittel- und langfristige Lösung zu erreichen, muss der Trend gebrochen werden. Es genügt nicht, Tarifpositionen des Tarmed-Tarifs, welche hauptsächlich von Hausärzte und Hausärztinnen abgerechnet werden, aufzuwerten. Eine Aufwertung würde lediglich das Umsatzniveau korrigieren, jedoch nicht die zukünftige Umsatzentwicklung. Setzt man die Umsatzentwicklung der letzten fünf Jahre voraus, müssten die Hausärzte und Hausärztinnen – wie die Grafik zeigt – alle fünf Jahre eine Aufwertung von 15% einfordern. Ansonsten werden sie im Jahr 2016, verglichen mit dem Tarmed-Umsatz der Spezialisten, dort stehen, wo sie bereits heute stehen. Eine solche Lösung führt deshalb mittel- und langfristig nicht zum Ziel. Es handelt sich eher um eine Scheinlösung, welche das Problem nicht an der Wurzel packt.

Um eine effektive Aufwertung der Hausarztmedizin zu erreichen, müssen wahrscheinlich strukturelle Reformen im Gesundheitswesen, wie beispielsweise die Aufhebung des Vertragszwanges, angepackt werden. Nur so bekommt die Hausarztmedizin mittel- und langfristig den Stellenwert, den sie verdient. Eine Aufwertung via Tarmed-Tarif kommt hingegen einer Symptombekämpfung gleich, welche nur kurzfristig Linderung schafft.

Monsieur Santé ist
Luca Petrini

Ich war bis Ende 2012 als Projektleiter und stv. Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung bei tarifsuisse ag tätig.

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