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Daniel Habegger Managed Care: Neue Chance kommt bestimmt

Mit dem wuchtigen Nein zur Managed-Care-Vorlage wurde eine Chance zur zusätzlichen Förderung der Erfolgsmodelle verpasst. Die nachweislich bessere Qualität zu besser eingesetztem Geld und notabene zur besseren Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten in der integrierten Versorgung wird sich aber über kurz oder lang in noch breiteren Kreisen der Bevölkerung durchsetzen. Mit Sicherheit werden in Zukunft …

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Mit dem wuchtigen Nein zur Managed-Care-Vorlage wurde eine Chance zur zusätzlichen Förderung der Erfolgsmodelle verpasst. Die nachweislich bessere Qualität zu besser eingesetztem Geld und notabene zur besseren Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten in der integrierten Versorgung wird sich aber über kurz oder lang in noch breiteren Kreisen der Bevölkerung durchsetzen.

Mit Sicherheit werden in Zukunft auch die ökonomischen Fehlanreize in unserem Gesundheitssystem vermehrt thematisiert werden: Heute verdienen die Ärzte an jeder ihrer Handlungen mit – völlig unabhängig davon, ob die Massnahmen gerechtfertigt und effizient oder aber unwirksam, ineffizient oder gar schädlich sind.

Managed Care wäre auch eine Antwort auf drohende neue Kostenschübe durch die erneute Ärzteschwemme, vorweg von Spezialisten, gewesen. «Jetzt droht das Schweizer Gesundheitssystem zum Selbstbedienungsladen der Spezialärzte zu verkommen», schrieb der Internetvergleichsdienst Comparis deshalb am Abstimmungssonntag.

Diese gänzlich fehlende oder häufig ungenügende Koordination, die Managed Care korrigieren wollte,  ist nicht nur ärgerlich und teuer. Zum einen birgt sie je nach Krankheit auch erhebliche therapeutische oder medikamentöse Risiken. Zum anderen hat sie vor allem viele unnötige medizinische Eingriffe zur Folge: Wissenschaftliche Untersuchungen belegen es: Je mehr gynäkologische Chirurgen, desto mehr unnötige Gebärmutterentfernungen, je mehr Herzspezialisten, desto mehr unnötige, mitunter riskante Herzeingriffe. Während sich die betroffenen Patientinnen und Patienten subjektiv häufig zwar gut umsorgt fühlen, sind die Effekte der medizinischen Über- und Fehlversorgung negativ: Sie belasten infolge von zusätzlichen Infektionen, Nebenwirkungen und Komplikationen nicht nur die Gesundheit der direkt betroffenen Patienten, sondern via Kostenbeteiligungen auch deren Portemonnaie. Zudem resultieren aus der Über- und Fehlversorgung unnötige Kosten für alle Prämien- und Steuerzahler und damit für die gesamte Volkswirtschaft (höhere Gesundheitsausgaben, Absenzen in der Familie und am Arbeitsplatz etc.)

Nach dem Nein zu Managed Care bleibt die Gesundheitspolitik eine Grossbaustelle. Immerhin wird der Souverän auch in Zukunft die Möglichkeit haben, finanzielle Fehlanreize, die den Mittelstand am härtesten treffen, mit neuen Entscheiden zu korrigieren.

Monsieur Santé ist
Daniel Habegger

Ich bin bei santésuisse im Bereich Public Affairs tätig.

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