Monsieur Santé

Navigation anzeigen Startseite anzeigen Suchefeld anzeigen

Luc Bastian Was Sie schon immer über Managed Care wissen wollten (Teil 1/3)

Nach jahrelanger intensiver Arbeit hat das Parlament am 30. September 2011 mit einer Zweidrittel-Mehrheit der Managed Care-Vorlage zugestimmt. Diese Reform verbessert zum einen Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens und der medizinischen Leistungen. Zum anderen dämpft sie den Kostenanstieg. Gegen die Vorlage  wurde das Referendum ergriffen. Am 17. Juni 2012 stimmen Schweizerinnen und Schweizer ab. In …

weiterlesen »

Nach jahrelanger intensiver Arbeit hat das Parlament am 30. September 2011 mit einer Zweidrittel-Mehrheit der Managed Care-Vorlage zugestimmt. Diese Reform verbessert zum einen Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens und der medizinischen Leistungen. Zum anderen dämpft sie den Kostenanstieg. Gegen die Vorlage  wurde das Referendum ergriffen. Am 17. Juni 2012 stimmen Schweizerinnen und Schweizer ab. In einer Artikelserie beantwortet Monsieur Santé die wichtigsten Fragen.

1. Besser und günstiger: Wie geht das?

Monsieur Santé: Wir sind es gewohnt, dass bessere Qualität mehr kostet: Biogemüse vom örtlichen Bauernhof ist teurer als herkömmlich produziertes Gemüse; eine Keramikfüllung beim Zahnarzt teurer als eine Kunststofffüllung; ein rahmengenähter Schuh teurer als ein geklebter. Deshalb ist es nicht auf Anhieb einsichtig, dass Integrierte Versorgung bessere Qualität bietet und erst noch günstiger ist.

Der Grund liegt in der Koordination aus einer Hand, in der Regel durch den Hausarzt: Weil er den Überblick hat, kann er klare Aufträge an andere Leistungserbringer erteilen, Doppeluntersuchungen und fragwürdige Therapien verhindern, schädlichen (und teuren) Medikamentenkonsum unterbinden. Dies alles erhöht die Qualität der Betreuung und sorgt dafür, dass keine unnötigen Kosten entstehen.

2. Gibt diese Vorlage den Krankenkassen zuviel Macht?

Monsieur Santé: Nein, Jede Verhandlung ist ein Geben und Nehmen. Genauso ist es beim Aushandeln der Verträge zwischen Krankenversicherern und Ärztenetzen. Krankenversicherer sind darauf angewiesen, dass sie genügend Netze unter Vertrag haben, um die stetig steigenden Nachfrage nach alternativen Versicherungsmodellen überhaupt befriedigen zu können. Umgekehrt sind die Netze darauf angewiesen, angemessene Vergütungen für die Koordination der Patientenbetreuung und die Qualitätssicherung zu erhalten. Das heisst, die Machtverhältnisse sind in einem stabilen Gleichgewicht – keiner der Verhandlungspartner ist am längeren Hebel.

Krankenversicherer dürfen zudem weder Einrichtungen zur medizinischen Behandlung von Versicherten führen noch sich finanziell an solchen Einrichtungen beteiligen. Netzwerke sind somit unabhängig.

3. Wird die freie Arztwahl abgeschafft?

Monsieur Santé: Zunächst wird mit dieser Reform die Integrierte Versorgung von der Wahlmöglichkeit zum Standard. Umgekehrt wird der bisherige Standard mit gänzlich freier Arztwahl zur Wahlmöglichkeit. Das heisst, grundsätzlich kann sich jeder ohne weiteres genau wie heute versichern lassen.

Die Integrierte Versorgung basiert auf einer freiwillig eingeschränkt freien Arztwahl Bei voller Wahlfreiheit ist man rasch überfordert und orientierungslos. Die moderne Medizin ist derart komplex, dass immer mehr Fachpersonen an der Behandlung eines Patienten oder einer Patientin beteiligt sind. Diese sind froh um eine koordinierende Vertrauensperson, in den meisten Fällen der Hausarzt.

4. Ich möchte weiter meinen Arzt frei wählen. Werde ich finanziell bestraft?

Monsieur Santé: Nach Erreichen der Franchise bezahlt heute die versicherte Person 10 Prozent der die Franchise übersteigenden Kosten, höchstens jedoch jährlich 700 Franken. Mit der Managed-Care-Vorlage vom 17. Juni ändert sich diese Situation. Zahlen sind zudem unterschiedlich, je nachdem, ob die versicherte Person in einem Integrierten Versorgungsnetz ist oder nicht.

  • Innerhalb eines Versorgungsnetzes: Nach Erreichen der Franchise bezahlt die versicherte Person 10 Prozent der die Franchise übersteigenden Kosten, höchstens jedoch jährlich 500 Franken (- 200 Franken).
  • Ausserhalb eines Versorgungsnetzes: Nach Erreichen der Franchise bezahlt die versicherte Person 15 Prozent der die Franchise übersteigenden Kosten, höchstens jedoch jährlich 1000 Franken (+ 300 Franken).

Die 1000 Franken entsprechen einem maximalen Betrag. Zudem wird derselbe Betrag erst erreicht, wenn die jährlichen Gesundheitsausgaben sich auf ca. 6700 Franken (zusätzlich zur Franchise) belaufen.

Dank Integrierter Versorgung werden chronisch Kranke hingegen von einem tieferen maximalen Selbstbehalt von 200 Franken pro Jahr profitieren. Schliesslich kann der Versicherer die Prämien für integrierte Versorgungsnetze noch zusätzlich vermindern oder Rückvergütungen vorsehen.

Sie möchten mehr wissen? Im Abstimmungsdossier von santésuisse zu Managed Care finden Sie weitere FAQs.

Monsieur Santé ist
Luc Bastian