psychiatrist with patient

Psychotherapie stellt gemäss den Bestimmungen des KVG dann eine kassenpflichtige Leistung dar, wenn die Behandlung durch einen Arzt (Psychiater/ärztlicher Psychotherapeut) durchgeführt wird. Freiberufliche, nichtärztliche Psychotherapie ist nicht kassenpflichtig bzw. nur dann kassenpflichtig, wenn die nicht ärztliche Psychotherapeutinnen oder Psychologen im Rahmen der sogenannten delegierten Psychotherapie tätig sind. Ärzte und Ärztinnen mit der nötigen Qualifikation, im Fachjargon «qualitative Dignität» genannt, können Psychotherapien an ihre angestellten Psychologen und Psychologinnen delegieren und deren Leistungen im Rahmen der Grundversicherung abrechnen. In diesem Fall gilt die Psychotherapie nämlich als ärztliche Leistung und wird von den Kassen bezahlt, sofern die Behandlung ärztlich verordnet ist.

Ist der Psychotherapeut ein Arzt dann zahlt die Kasse
Mit anderen Worten, die selbständig und auf eigene Rechnung tätigen Psychotherapeuten, welche nicht Ärzte sind, können ihre Leistungen (noch) nicht zulasten der Grundversicherung abrechnen. Wenn sie jedoch bei einem Arzt angestellt sind und unter seiner direkten Aufsicht, Anleitung und Verantwortlichkeit und in seiner Praxis therapeutische Massnahmen durchführen, gelten diese Leistungen als kassenpflichtig. Dazu gibt es eine Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes (EVG) aus dem Jahre 1981. Ein EVG-Urteil von 2003 hat die Voraussetzungen, unter denen die ärztliche delegierte Psychotherapie von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen ist nochmals dahingehend präzisiert, dass für die Kostenübernahme der unselbständigen, delegierten psychotherapeutischen Behandlung «ein wesentliches rechtliches oder tatsächliches Subordinationsverhältnis vorliegen muss, damit sie als Pflichtleistung anerkannt werden kann».

Für Leistungen der freiberuflich tätigen, nicht-ärztlichen Psychotherapeuten bzw. Psychologen besteht zurzeit keine gesetzliche Leistungspflicht, d.h. die Kosten muss der Patient selbst bezahlen, wenn er nicht über eine Zusatzversicherung verfügt, die ganz oder teilweise die Kosten während einer bestimmten Behandlungsdauer übernimmt. santésuisse, der Branchenverband der anerkannten Krankenversicherer, führt eine Liste derjenigen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, welche die Aus- und Weiterbildungskriterien der Berufsverbände, d.h. der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), des Schweizerischen Psychotherapeutenverbandes (SPV) sowie des Schweizerische Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP), erfüllen. Diese Liste hat empfehlenden Charakter und dient den Krankenversicherern, welche ihre Beiträge nach den Versicherungsbedingungen und Leistungsreglementen der von ihnen angebotenen Zusatzversicherungen richten.

Wieso diese Schlagzeilen?
Seit vielen Jahren laufen Bestrebungen die freiberuflichen Psychotherapeuten zur Tätigkeit für die soziale Krankenversicherung zuzulassen. Die Erarbeitung einer diesbezüglichen gesetzlichen Grundlage scheiterte jedoch u.a. daran, dass sich die Berufsverbände in Fragen der Aus- und Weiterbildung nicht einig waren und die Krankenversicherer mit erheblichen Kostenfolgen rechneten. Mit dem Erlass des ab 1. März 2013 gültigen Psychologieberufegesetz (PsyG) , welches die Aus- und Weiterbildung sowie die Berufsausübung der nichtärztlichen Psychotherapeuten national einheitlich regelt, erhoffen sich die Berufsverbände eine baldige Zulassung der freiberuflichen, nicht ärztlichen Psychotherapeuten zur Tätigkeit in der Grundversicherung. Zu gegebener Zeit soll – datengestützt – ein entsprechender Antrag dem Bundesamt für Gesundheit unterbreitet werden.

santésuisse geht nach wie vor grundsätzlich davon aus, dass eine Zulassung der nicht ärztlichen Therapeuten zu erheblichen Mehrkosten in der Grundversicherung führen wird und sieht daher keinen Grund für eine Aufnahme der nichtärztlichen Psychotherapeuten bzw. Psychologen in den Kreis der gesetzlichen Leistungserbringer. Diese Mehrkosten müssten dann über entsprechen höhere Prämien abgegolten werden, gemäss dem Grundsatz, dass die Prämien immer die Kosten decken müssen.

Monsieur Santé beabsichtigt, sich in einem späteren Artikel etwas konkreter den Leistungen der Krankenversicherer im Bereich der Psychotherapie zu widmen. Falls Dir diesbezüglich schon jetzt Fragen auf der Zunge brennen, kannst Du sie in seinem Info-Schalter auf Facebook stellen.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann