Monsieur Santé

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Jean-Paul Brönnimann Fasnachtszeit – Rauschzeit: Zahlt die Krankenkasse Notfalleinsätze?

Gemäss Nationalem Programm Alkohol des Bundesamtes für Gesundheit 2008 – 2012 (BAG) hat die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung einen unproblematischen und risikoarmen Umgang mit alkoholischen Getränken. In der Fasnachtszeit jedoch schlägt manch einer über die Stränge und die Rettungs- und Notfalldienste der Spitäler haben alle Hände voll zu tun. Die Kosten der Alkoholexzesse tragen …

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nach der Party
Gemäss Nationalem Programm Alkohol des Bundesamtes für Gesundheit 2008 – 2012 (BAG) hat die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung einen unproblematischen und risikoarmen Umgang mit alkoholischen Getränken. In der Fasnachtszeit jedoch schlägt manch einer über die Stränge und die Rettungs- und Notfalldienste der Spitäler haben alle Hände voll zu tun. Die Kosten der Alkoholexzesse tragen die Krankenversicherer.

Dem eingangs erwähnten Programm des BAG entnimmt Monsieur Santé, dass schätzungsweise 260’000 Personen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren regelmässig zu viel Alkohol trinken. Gegen 300’000 sind alkoholabhängig oder stark alkoholgefärdet. Davon sind mehr als die Hälfte sogenannte Rauschtrinker. Täglich werden in der Schweiz fünf junge Menschen aufgrund von Alkoholproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert. Mehr als die Hälfte davon weisen Vergiftungssymtome auf. Alkohol gehört zu den fünf wichtigsten Krankheitsfaktoren und verursacht in der Schweiz Folgekosten von ca. 6.5 Milliarden Franken! Dies entspricht gut 10% der gesamten Gesundheitskosten (2010: 62.495 Milliarden Franken, Quelle: Bundesamt für Statistik).

Fasnachtszeit besonders exponiert
Gerade während der feucht-fröhlichen Fasnachtszeit landen vermehrt Jugendliche und Erwachsene in der Intensivstation infolge von übermässigem Alkoholkonsum. Die Transport-und Behandlungskosten werden von der Krankenversicherung bezahlt. Dabei spielt die Frage des Selbstverschuldens keine Rolle, denn das Bundesgesetz über die Krankenversicherung enthält – im Gegensatz zum Bereich der Zusatzversicherungen – keine Bestimmungen zur Verweigerung oder Kürzung der Leistungen.

Bei den Transport- und Rettungskosten beteiligt sich die Krankenversicherung nur anteilsmässig an den Kosten.

Wenn der Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin es nicht erlaubt, dass er/sie sich selbständig zu Fuss oder in einem öffentlichen/privaten Transportmittel in medizinische Behandlung begeben kann, übernimmt die Krankenversicherung 50% der medizinisch indizierten Krankentransportkosten. Maximal werden 500 Franken pro Kalenderjahr vergütet. Bei Lebensgefahr bzw. bei einer Befreiung aus einer lebensbedrohenden Notlage bezahlt die Grundversicherung ebenfalls 50% an die Rettungskosten, jedoch bis max. 5000 Franken pro Kalenderjahr. Die Differenzkosten muss der Patient/die Patientin selbst bezahlen.

Den genauen Gesetzeswortlaut zu den Beiträgen an Transport- und Rettungskosten aus der Grundversicherung findest Du in der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), Artikel 26 und 27.

Ein konkretes Beispiel
Damit Du Dir ein Bild der Kosten machen kannst, folgendes Beispiel: Gemäss Vertrag zwischen den Solothurner Spitäler AG (soH) für die Rettungs- und Krankentransportdienste soH, der Ambulanz und Rettungsdienste der Stadtpolizei Grenchen und santésuisse beträgt die Grundtaxe pro Transport und Besatzung für einen einstündigen Einsatz des Rettungstransportwagens oder der Einsatzambulanz inkl. Wegentschädigung, Pauschale für Material, Medikamente, Reinigung, Desinfektion usw. 690 Franken. Die Grundtaxe pro Viertelstunde für den Notarzt und Begleitperson beträgt zusätzlich je 30 Franken. Mit anderen Worten, die Betroffenen müssen mit einer Rechnung von rund 750 bis 1’000 Franken oder mehr rechnen (je nach Dauer des Einsatzes und der Anzahl beteiligter Personen). In anderen Kantonen bewegen sich die Tarife in ähnlichem Rahmen. Der Krankenversicherer beteiligt sich jedoch nur zur Hälfte an den Kosten.

Richtig teuer wird es, wenn die Ambulanz gerufen wird, ohne dass eine Notfallsituation vorliegt bzw. die betrunkene Person gar  keine medizinische Hilfe benötigt, sondern lediglich einen Platz zur Entnüchterung. In einem solchen Fall – Stichwort: «Taxi 144» – kann der Krankenversicherer verlangen, dass die betrunkene Person die Kosten des Ambulanzeinsatzes vollumfänglich selbst bezahlen muss.

Hast Du noch Fragen? → Info Schalter auf Facobook. Monsieur Santé gibt Dir gerne Auskunft.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 30 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig.  Neben meinen Aufgaben als Projektleiter im Bereich der ambulanten Versorgung bei tarifsuisse ag sowie als santésuisse-Vertreter in diversen paritätischen Kommissionen, betreue ich auch den elektronischen Auskunftsschalter von Monsieur Santé als Social Media Koordinator.

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