Im zweiten Teil (den ersten Teil findest Du hier) der Blog-Serie zum Thema «Mutterschaftsleistungen» nimmt Monsieur Santé detailliert Stellung zu konkreten Fragen, wie beispielsweise der Frage nach der Kostenbeteiligung sowie Abgrenzungsfragen zwischen Mutterschaft und Krankheit.

Das KVG sieht vor, dass sich die Versicherten an den Kosten der für sie erbrachten Leistungen beteiligen. Eine Ausnahme bilden u.a. die Leistungen bei Mutterschaft. Dieser Grundsatz gilt jedoch nur, solange es nicht zu Schwangerschaftskomplikationen kommt. Gesundheitliche Störungen während der Schwangerschaft, die allenfalls nach der Geburt weiterbehandelt werden müssen, fallen nicht unter den Begriff der Mutterschaft, sondern gelten als Krankheit und unterliegen – aufgrund eines Urteils des Eidgenössischen Versicherungsgerichts – der Kostenbeteiligungspflicht. Beispiele dafür sind:

  • die Kosten für die Behandlung einer Grippe während der Schwangerschaft
  • Arzneimittel zur Behandlung einer Infektion
  • Physiotherapie wegen Rückenbeschwerden
  • therapeutische Massnahmen zur Verhinderung einer Früh- oder Fehlgeburt (z.B. im Rahmen eine Spitalaufenthaltes)
  • Kompressionsstrümpfe
  • usw.

Zusätzliche Untersuchungen – nach klinischem Ermessen – bei Risikoschwangerschaft gelten als Mutterschaftsleistungen und sind nicht kostenbeteiligungspflichtig.

Geburt im Spital oder im Geburtshaus:
Die Kosten für die Entbindung/Geburtshilfe in einem Spital oder einem Geburtshaus werden übernommen, sofern das betreffende Spital oder das Geburtshaus auf der Spitalliste des Wohnkantons aufgeführt ist.

Fruchtwasseruntersuchung / Chorionbiopsie:
Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) sowie die Chorionbiopsie werden bei Frauen ab 35 Jahren bezahlt. Bei jüngeren Frauen sofern ein Risiko von 1:380 oder höher besteht, dass beim Kind eine ausschliesslich genetisch bedingte Erkrankung vorliegt. Diese Massnahme fällt unter die besonderen Leistungen bei Mutterschaft. Aus diesem Grund wird keine Kostenbeteiligung erhoben.

Wochenbett:
Die Hebammen können zu Lasten der Versicherung nach der Entbindung zu Hause, nach einer ambulanten Geburt und nach vorzeitiger Entlassung aus dem Spital/Geburtshaus auch Leistungen der Krankenpflege erbringen. Diese umfassen die notwendige Beratung, Betreuung und Versorgung von Mutter und Kind einschliesslich aller damit verbundenen Leistungen. Man spricht hier auch von den sogenannten «Wochenbettleistungen». Diese Leistungen sind von der gesetzlichen Kostenbeteiligung befreit, jedoch nur während den ersten 10 Tagen nach der Geburt. Der Geburtstag gilt als Tag Null. Ab dem 11. Tag ist eine ärztliche Verordnung notwendig. Daraus lässt sich schliessen, dass die ab dem 11. Tag notwendige Pflege vorallem krankheitsbedingt und demzufolge auch kostenbeteiligungspflichtig ist.

Stillberatung:
Die Stillberatung wird von der Krankenversicherung übernommen, wenn sie durch Hebammen oder durch speziell in Stillberatung ausgebildete Pflegefachleute durchgeführt wird.

Solange sich die Patientin im Spital oder im Geburtshaus aufhält, ist die Stillberatung im Spital- bzw. Geburtshaustarif eingeschlossen. Während des Wochenbetts ist die Stillberatung mit der Pflegebesuchstaxe abgegolten. Stillberatung nach dem Wochenbett, d.h. ab 11. Tag nach der Geburt, wird bei Vorliegen von Komplikationen vergütet. Als Indikation für die Stillberatung gelten beispielsweise folgende Komplikationen:

  • Stillen von Mehrlingen, Frühgeborenen oder saugschwachen Kindern
  • Stillen bei mangelhafter Gewichtszunahme des Säuglings
  • Stillen unter erschwerten Bedingungen, wie bei Krankheit oder Behinderung der Mutter oder des Kindes oder bei anatomischen Brustanomalien der Mutter

Die Übernahme beschränkt sich auf drei Sitzungen und zwar auch dann, wenn der Arzt zusätzliche Stillberatungen verordnet.

Frühere Beiträge dieser Blog-Serie:
Monsieur Santé wird Mami (1): Was sind «Mutterschaftsleistungen»?

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Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 30 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig.  Neben meinen Aufgaben als Projektleiter im Bereich der ambulanten Versorgung bei tarifsuisse ag sowie als santésuisse-Vertreter in diversen paritätischen Kommissionen, betreue ich auch den elektronischen Auskunftsschalter von Monsieur Santé als Social Media Koordinator.

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