Legastheniker oder Menschen mit einer Dyskalkulie leiden an einer Lese- bzw. Rechtschreibeschwäche oder an einer Rechenschwäche. Mit gezielten Lerntherapien wird den betroffenen Kindern und Jugendlichen geholfen. Dabei fallen erhebliche Kosten an. Wer sind die Kostenträger? Was bezahlen die Krankenversicherer?

Gemäss Bundesgesetz über die Krankenversicherung gewährt die soziale Krankenversicherung Leistungen bei Krankheit, Unfall – soweit dafür keine Unfallversicherung aufkommt – und Mutterschaft. Im Bundesgesetz über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts – ATSG – sind diese Begriffe definiert.

Was ist Krankheit?
Als Krankheit gilt gemäss ATSG jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.

Legasthenie und Dyskalkulie erfüllen den Begriff der Krankheit nicht. Vielmehr handelt es sich bei der Legasthenie und/oder Dyskalkulie um Schwächen oder Lernstörungen, die beim Erwerb schulischer Fähigkeiten auftreten. Daher stellen die damit verbundenen pädagogische Massnahmen bzw. die Legasthenie/Dyskalkulie – Fördertherapien auch keine kassenpflichtigen Leistungen dar. Damit kommen diesbezüglich die Krankenversicherer als Kostenträger nicht in Frage.

Sprachtherapien werden bezahlt
Behandlungsbedürftige Sprachstörungen, wie Stammeln, Stottern, Taubstummheit usw. fallen hingegen unter den Krankheitsbegriff. Ebenso die mit Legasthenie oder Dyskalkulie verbundene psychosomatische Störungen können Krankheit sein. In diesen Fällen werden die Kosten von den Krankenversicherern vergütet.

Tipp: Einzelfall immer vorgängig abklären
Eine klare Abgrenzung zwischen pädagogischen und medizinischen Massnahmen ist jedoch nicht immer einfach. Entscheidend ist, ob im Einzelfall der pädagogische oder medizinische Aspekt überwiegt. Daher mein Tipp: im Zweifelsfalle immer Rücksprache mit dem zuständigen Krankenversicherer aufnehmen.

Wer übernimmt die Kosten der pädagogischen Massnahmen?
Die Kosten der Fördertherapien werden – je nach kantonaler Gesetzgebung – von den Kantonen oder Gemeinden übernommen. Die Invalidenversicherung hat sich im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen anfangs 2008 aus der Sonderschulfinanzierung zurückgezogen und die Organisation und Finanzierung der Sonderschulmassnahmen vollständig den Kantonen überlassen.
Interessantes zu den Themen Legasthenie und Dyskalkulie findest Du hier, dem Verband Dyslexie Schweiz.

Monsieur Santé ist
Jean-Paul Brönnimann

Ich bin seit über 30 Jahren im sozialen Krankenversicherungsbereich tätig.  Neben meinen Aufgaben als Projektleiter im Bereich der ambulanten Versorgung bei tarifsuisse ag sowie als santésuisse-Vertreter in diversen paritätischen Kommissionen, betreue ich auch den elektronischen Auskunftsschalter von Monsieur Santé als Social Media Koordinator.

Man findet mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.