Monsieur Santé

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Inge Bohmüller Science Fiction – Ein Tag im Leben mit der Einheitskasse

Wir befinden uns im Jahr 2026, einem Jahr nach Einführung der Einheitskasse. Ja die Umsetzung hat tatsächlich so lange gedauert und natürlich sehr viel Geld verschlungen. Es gab hitzige Debatten, als es darum ging, wie die Initiative „für eine öffentliche Krankenkasse“ umgesetzt werden soll und wer die Einheitskasse betreiben und bewirtschaften soll. Der Initiative-Text war …

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einheitskasse_dystopieWir befinden uns im Jahr 2026, einem Jahr nach Einführung der Einheitskasse. Ja die Umsetzung hat tatsächlich so lange gedauert und natürlich sehr viel Geld verschlungen. Es gab hitzige Debatten, als es darum ging, wie die Initiative „für eine öffentliche Krankenkasse“ umgesetzt werden soll und wer die Einheitskasse betreiben und bewirtschaften soll.

Der Initiative-Text war sehr unklar. Es gab hitzige Diskussionen im Parlament, wie das jetzt genau mit der Initiative gemeint war und wie diese umgesetzt werden soll. Das einzige, was geklärt war, dass es eine öffentliche Kasse pro Kanton geben soll! Natürlich war jeder völlig anderer Meinung. Und dies alles kostete sehr viel Zeit und Geld.

Eine Prämie pro Kanton für alle! Gibt es nun unterschiedliche Prämien für Jugendliche und Kinder? Gibt es noch unterschiedliche Franchisen? Gibt es noch Rabatt für die eingeschränkte Wahl des Leistungserbringers? – Was kam dabei heraus? Eine klare Verschlechterung für die Versicherten! Keine freie Arztwahl, keine Wahlfranchisen, keine Prämienreduktionen mehr. Einzig die Prämienermässigung für Kinder konnte durchgesetzt werden.

26 kantonale Krankenversicherer
Es wurde schliesslich die neue öffentliche Gesundheitskasse gegründet (ÖGK).

Ein neues IT-Programm, welches für 11 Millionen Versicherte funktioniert, musste geschaffen werden (ja, die Schweiz hat unterdessen so viele Einwohner). Die Daten von 35 verschiedenen Systemen der Krankenversicherer mussten in das neue System eingelesen werden können. Unmöglich, die technischen Anforderungen wurden völlig unterschätzt, schliesslich musste man bei Null beginnen.  Das heisst auch: Für Managed-Care-Patienten („Patientenpfade“) liegen gar keine Daten vor.  Die Initianten erklären, dass das von ihnen gespriesene Managed-Care erst im Jahre 2035 beginnen kann.

Neue Büroräumlichkeiten mussten gesucht und gemietet, das ganze Inventar gekauft werden. Die bisherigen Krankenversicherer waren in einer Übergangszeit von drei Jahren trotz Umstellung noch zu 100% in Betrieb. Alles musste praktisch doppelt geführt und mutiert werden. Die ÖGK wurde erst laufend, von Kanton zu Kanton in Betrieb genommen. Die beiden Systeme liefen also parallel nebeneinander her. Die Gebäude und Büroeinrichtungen der bisherigen Krankenversicherer wurden für die Doppelführung der Grundversicherung und natürlich für die Weiterführung der Zusatzversicherung benötigt. Personal für die ÖGK wurde gesucht, angestellt und ausgebildet.

Dazu kam, dass jeder Kanton auch wieder seine eigenen Wünsche und Vorstellungen hatte. Es bestehen heute 26 verschiedene Krankenversicherer!

Aufteilung Reserven und Enteignungen
Noch immer sind bei einige Krankenversicherern, welche als Stiftungen gegründet wurden, Enteignungen im Gange. Bei Krankenversicherern, welche als Verein gegründet wurden, ist noch Vereinsvermögen vorhanden, welches versucht wird, gerecht aufzuteilen. Der Kanton Waadt erhält 60%, der Rest wird unter den anderen Kantonen aufgeteilt.

Kein Problem war die Aufteilung der angesparten Reserven der bisherigen Krankenversicherer. Dieses  Geld wurde nämlich leider vollständig für die Umstellung aufgebraucht.

Es gab hunderte Klagen von Versicherten, welche nicht damit einverstanden waren, dass „ihre“ Reserven für die Umstellung verbraucht würden. Es war schliesslich das Geld der Versicherten dieser Krankenversicherer! Der Präsident des neu geschaffenen «Gerechtigkeitsfonds» in Lausanne, ein ehemaliger Waadtländer Gesundheitsdirektor, hat diese lästigen Klagen laufend abgeschmettert.

Mitarbeiter der Krankenversicherungen
Auch mit der Einheitskasse müssen die Versicherten betreut werden. Es gilt, Neugeborene und Neuzuzüge aus dem Ausland aufzunehmen. Todesfälle und Wegzüge ins Ausland zu verarbeiten. Adressänderung vorzunehmen. Es gibt viele Kassenwechsel zu bearbeiten (bei jedem Umzug in einen anderen Kanton). Kontoänderungen müssen mutiert werden, Leistungsfragen und Kostengutsprachen geklärt und erteilt werden. Rechnungen müssen geprüft und verarbeitet werden. Alles wie früher auch. Es gibt genau gleich viele Rechnungen zu bezahlen, egal, mit oder ohne Einheitskasse! Aus diesem Grund werden hier somit fast noch genauso viele Mitarbeiter wie bis anhin benötigt.

In jedem Kanton der ÖGK hat es Mitglieder der Geschäftsleitung und Direktoren. Dies nicht wenig. Im Vergleich zur SUVA, welche 50 in der Geschäftsleitung und 20 Direktoren hat, sind es für die ÖGK etwa das vierfache (analog der Mehrzahl der Versicherten). Auch hier eine entscheidende Änderung im Vergleich zu früher: Teurer, aber öffentlich.

Einzig ein paar temporäre Mitarbeiter, die jeweils im Spätherbst bis Dezember eingestellt wurden, fallen heute weg. Die Mitarbeiter können sich nun viel intensiver als früher, ohne Zeitdruck, um die Rechnungsprüfung kümmern. Die ÖGK muss keine Befürchtungen haben, dass die Versicherten kündigen können. Kundendienst ist nur noch zweitrangig.

Im Marketing konnten auch keine Einsparungen gemacht werden. Auch heute bei der ÖGK wird Marketing betrieben. Nur heisst es heute verklärend “Aufklärung und Prävention”.

Ein Teil der Angestellten wechselte zur ÖGK. Viele Mitarbeiter müssen nun einen weiten Weg pendeln oder umziehen, da sie nun in Kantonen arbeiten, wo bisher keine Krankenversicherer tätig waren. Dadurch, dass sie Beamte sind, verdienen sie nun wesentlich mehr.

Aufwind für Zusatzversicherungen
Um der weitern Kostenexplosion etwas vorzubeugen, blieb nichts anderes übrig, als diverse Leistungen im Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu streichen. Demzufolge haben die freiwilligen Zusatzversicherungen noch mehr an Bedeutung gewonnen. Von diesen Leistungen profitieren können nur die Versicherten, welche auch die Zusatzversicherungen abgeschlossen haben. Die anderen Versicherten sind eindeutig viel schlechter gestellt, müssen viele Leistungen zusätzlich bezahlen.

Die Versicherten
Noch heute gibt es Personen, die nicht wissen, wo sie jetzt versichert sind. Andere, welche von einem Kanton, wo bereits die ÖGK eingeführt ist, in einen Kanton umgezogen sind, wo diese noch nicht eingeführt ist.

Für die Versicherten ist es heute viel komplizierter. Alle Versicherten mit Zusatzversicherungen müssen nun ihre Rechnungen zwei verschiedenen Krankenversicherern zustellen und die Rückvergütungen kontrollieren.

Case-Management
Die Erwartungen waren ja hoch, dass das neue Case-Management alles verändern würde. Da die ÖGK über keine Patientendaten verfügte, blieb der gewünschte Erfolg komplett aus.

Einzig die Einführung, dass gewisse Operationen ab einem bestimmten Alter nicht mehr durch die Grundversicherung bezahlt werden, hat “natürliche Einsparungen” gebracht. Dies wiederum trägt jedoch nur zur Zufriedenheit jener Bevölkerung bei, die weniger bezahlen muss. Der andere Bevölkerungsteil äussert sich nicht, er kämpft mit „laufenden Verfahren“.

Prämien
Dabei stiegen die Kosten munter weiter, es gab in den letzten Jahren immer wieder neue medizinische Fortschritte, Medikamente und neue Operationsmethoden. Und die Versicherten wollen davon profitieren.

Da die Ausgaben für die Gesundheitskosten weiter gestiegen sind, haben sich auch die Prämien erhöht. Die Prämien befinden sich nun für alle leicht über der vorher höchsten Stufe 1 der Prämienregionen. Die Agglomeration- und Landbevölkerung ist deshalb verärgert, dies war jedoch voraussehbar. Doch auch die Stadtbevölkerung ist nicht zufrieden, hofften diese doch, eine tiefere Prämie zu bezahlen. Die Land- und Agglomerationsbevölkerung kommt sich jedoch noch weiter benachteiligt vor: Sie haben nicht dasselbe Angebot an Ärzten und Spitälern, bezahlen jedoch gleich viel Prämien wie die Stadtbevölkerung.

Dazu kommt, dass keinerlei Sicherheitsreserven mehr vorhanden sind!

Stimmung im Land
Die Enttäuschung in der gesamten Bevölkerung ist gross, als bald klar wurde, dass die Prämien nicht gesenkt werden konnten und die Einheitskasse bereits nach kurzer Zeit völlig verschuldet ist.

Eigentlich wundert es Madame Santé nicht, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen mit der Einführung der Einheitskasse nicht kleiner wurden, die Prämien demzufolge nicht kleiner. Es war bekannt, dass es bei der Einheitskasse nur versucht werden kann, bei den 5% Verwaltungskosten etwas einzusparen. 

Im Ausland wird übrigens laut über die Schweiz gelacht…  Haben doch jene Länder das ursprüngliche System der Schweiz übernommen. Und verstehen nicht, wie Herr und Frau Schweizer dies einfach so aufgeben konnten.

Zurück in die Vergangenheit
Es ist so gekommen, wie ein Vertreter der Branche einmal zu Madame Santé gesagt hat: Damit die Bevölkerung merkt, wie gut das alte System war, muss vielleicht wirklich zuerst die Einheitskasse eingeführt werden. Um zu merken, dass dies noch viel schlechter und teurer ist als das bisherige System und man sich dann wieder das alte System zurück wünscht.

Ein Kommentar

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